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| Reisebericht von der 1. Expedition "Freiburgerkühe in Punta Arenas" (1. Teil) |
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Vom 17. bis zum 29. September verfolgt Philippe Ammann im Chilenischen Punta Arenas die Spuren der um 1930 aus der Schweiz importieren Freiburgerkühe. Die Reise ist Teil des Freiburgerkuh-Projektes. In diesem Blog können Sie sie mitverfolgen.

Am 17. September 2008 war es soweit: Ausgerüstet mit allem was es braucht um Kühen Blutproben abzunehmen, ihnen Ohrmarken zu verpassen und deren Körper fotografisch und metrisch zu erfassen, besteige ich in Zürich die Maschine nach Punta Arenas via Madrid und Santiago de Chile. In Santiago stösst Roberto Frésard dazu, ein Student, der mich bei meiner Reise begleiten wird. Roberto ist über einen Internet-Bericht der spanischensprachigen swissinfo-Redaktion auf unsere Reisepläne aufmerksam geworden und bot uns seine Hilfe an. Ich bin sehr froh, ihn dabei zu haben, als Begleiter und Übersetzer.
Bei der Ankunft in Punta Arenas am 18.9.2008 ist es für die Jahreszeit erstaunlich mild. Am Flughafen werden wir von Sergio Solar sowie dessen Bruder Antonio und dessen Frau Isabella abgeholt. Sie gehören zur Familie von Fernando Baeriswyl, dem Chef des Chilenischen Amtes für erneuerbare natürliche Ressourcen. Dank der Organisation von Fernando, der einige Tage später zu uns stossen wird, erleben wir einen herzlichen Empfang und finden uns, kaum nachdem wir unser Füsse auf patagonische Erde gesetzt haben, inmitten eines ausgelassenen Familienfestes.
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Herzlicher Empfang mit traditionellem Chilenischen Grillfest auf der Farm der Familie Baeriswyl.
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Sergio Solar (li.) ist ein Fachmann in Sachen Nutztiere, kennt viele Rassen und Züchter und wird uns in den kommenden Tagen begleiten. Gleich nach dem Essen musste ich ihm Bilder von Freiburgerkühen zeigen.
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Die zahlreichen, historischen Bilder aus den Zeit von 1880 bis 1950 werden uns helfen, die Kühe vor Ort begutachten zu können.
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Roberto Frésard, studiert in Santiago BWL und bot uns seine Hilfe auf der 1. Expedition an.
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Gleich neben der Baeriswyl-Farm nördlich von Punta Arenas stiessen wir bereits am ersten Abend auf schwarz-weisses Fleckvieh. (die Tiere sind auch auf dem oberen Panoramabild zu erkennen).
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Von der Fellfärbung her könnten die Tiere interessant sein. Wir werden uns aber zuerst auf Tiere konzentrieren, von denen wir wissen, dass sie mit den in den 30er Jahern exportieren Kühen in Verbindung stehen.
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An unserem ersten Arbeitstag am 19. September besuchten wir die Herde von Peter Almonacid Hauser im Norden von Punta Arenas. Peter arbeitet noch mit Tieren, die von der ehemeligen Herde von José Davet stammen, der dazumals die Tiere aus dem Greyerzerland importierte. In den letzten Jahren setzte Peter einen Bullen der Rasse "Overo colorado", die hier "Clavel aleman" genannt wird, ein. Der rote Fleckvieh-Typ schlägt sich deutlich im Gesamtbild der Herde nieder. Umso mehr freuten wir uns, dass es noch einige ältere Kühe hat, die laut Aussagen von Peter "nur Davet-Abkommen" seien. Wir konzentrierten uns daher auf diese Tiere und wählten anhand des Gesamteindruckes 6 Kühe aus, die wir markierten, fotografierten und von denen wir Haar- und Gewebeproben nahmen. Die Blutproben nahmen wir noch nicht, da deren Haltbarkeit beschränkt ist.
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Diego Almonacid, der Sohn von Peter, war uns eine grosse Hilfe beim Einfangen der Kühe. Es war faszinierend, wie geschickt sich der Junge in der Herde bewegte und wie er mit seinem Pferd zu einer Einheit verschmolz.
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Eine der erfassten Kühe. Sie erhielt die Ohrmarke Nr. CH002. Die Tiere sind jetzt, Ende Winter, in ziemlich schlechtem Zustand. Es gilt die jahreszeitlich bedingte Magerheit beim Beurteilen der Tiere zu berücksichtigen.
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Der Typ stimmt: Schwarzer Kopf, weisser Stirnfleck, schwarze Hornenden. Diese Kuh war in etwas besserem Zustand, was Hoffnung macht. Laut Peter kommen die Kühe mit Freiburger Abstammung besonders gut mit den kargen Bedingungen im Winter zurecht.
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Von jedem Tier werden unter anderem der Brustumfang...
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..und die Widerristhöhe gemessen. |
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Alle Daten inkl. der geografischen Koordinaten werden auf einem Datenblatt erfasst.
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Um an weitere Tiere zu kommen hatte Sergio die Idee, das Lokalfernsehen anzufragen, ob sie über unser Projekt berichten...
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...und einen Aufruf machen könnten. Kurz darauf erhielten wir Besuch eines TV-Teams des Senders ITV...
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...und schneller als wir dachten, waren Peter Almonacid und ich in der Hauptausgabe der "Noticias"- Tagesschau. |
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| Der aktuelle, rot gefleckte Stier und Vater der diesjährigen Kälber bei Peter Almonacid ist ein Vertreter der Rasse "Overo colorado". Er ist vom Typ her nahe an der Freiburger- oder Simmentalkuh, aber natürlich hätten wir gerne einen schwarzgefleckten Stier angetroffen. |
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Zur unserer Freude fanden wir einen solchen wenig später. Jaime Barrientos, der Kühe mit "Davet-Abstammung" hält, führte uns zu einer Herde seiner Tante, wo wir diesen Stier trafen. Wir hoffen, später von ihm Blut nehmen zu können, auch wenn ich auf den Akt selber nicht wirklich scharf bin...
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Roberto nutzt eine ruhige Minute zur Erfassung der GPS-Daten, die uns später helfen sollen, die Tiere wieder zu finden.
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Heute, am 20. September, besuchten wir die Frau von Peter Almonacid, Miriam Seguel, in der Käserei, wo sie ihren Käse abholte. In dieser Zeit des Kalberns können noch nicht viele Kühe gemolken werden, so dass die Familie jetzt kaum ein Einkommen hat. Gereicht hat die Milch heute für einen Block Frischkäse (Queso fresco) und eine kleine Serie kleiner Frischkäse (Quesillo), die in Kunststoffschalen an einen lokalen Supermarkt und einige Hotels verkauft wird.
Überhaupt leben die Viehbauern hier bescheiden. Ohne staatliche Unterstütung und unter sehr kargen Bedingungen ist das Milchvieh-Business nicht sehr einträglich. Die Betriebe, die wir bisher besuchten, sind sehr arm und leben am Existenzminimum. Die Viehzucht ist nicht organisiert und wir trafen bislang auch keinen Züchter an, der seine Aktivitäten schriftlich erfasst. Für uns ist das sehr schade, hofften wir doch, vor Ort an Daten über die Verwandtschaften der Tiere zu kommen. Hier wird nach Gefühl gezüchtet und die Bauern wissen sehr genau, was funktioniert und was nicht. Die "vacas fribourgueses" haben einen guten Ruf als robuste und genügsame Rasse, was in dieser Region von grosser Wichtigkeit ist.
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| Die kleine Käserei in Punta Arena, in der die Milch der Kühe von Peter Almonacid zu Käse verarbeitet wird. |
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Peter Almonacid's Frau Miriam Seguel ist für die Käseproduktion zuständig, bringt die Milch in die Käserei und vermarktet die Frischkäse.
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Spuren aus der Schweiz: Zusammen mit den Freiburgerkühen brachte José Davet in den 30er Jahren auch ein traditionelles Buttermodel mit. Es wird noch eingesetzt.
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Nach dem Besuch in der Käserei hatten wir die Möglichkeit, Helvecia Davet Gutierres zu besuchen. Sie ist die Tochter von José Davet, der den Viehtransport nach Punta Arenas organisierte. Leider mussten wir auch hier die Hoffnung aufgeben, historische Dokumente über den Tiertransfer zu erhalten. Sie hat weder Bilder der Freiburgerkühe noch Transportdokumente oder Zuchtinformationen. Da das Haus der Familie vor vielen Jahren durch einen Brand zerstört wurde, müssen wir davon ausgehen, dass wir diese Informationen nicht mehr finden werden. Helvecia selber entpuppte sich nicht als Kuhfreundin und gestand, dass sie sich nie für die Kuhprojekte seines Vaters interessierte. Dazu kommt, dass in Helvecias Jugend die Mädchen nicht in die Stallarbeit involviert wurden. Unser Interesse am Wirken ihrer Familie freute sie trotzdem sehr und es tat ihr leid, nicht weiterhelfen zu können.
Im Vergleich zu vielen Schweizer Bauernbetrieben, in denen das Vieh eine grosse Wertschätzung genoss, scheint das Leben und die Arbeit mit dem Vieh in Patagonien so hart gewesen zu sein, dass man den Kühen nicht dieselben positiven Gefühle zuteil kommen liess, respektive weniger stolz auf die Arbeit mit den Kühen war.
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| Helvecia Davet Gutierres, die Tochter von José Davet, zeigt mir alte Bilder aus der Zeit, in der ihr Vater die Freiburgerkühe aus der Schweiz nach Punte Arenas brachte. |
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Die Famillie Davet: Helvecia mit Mutter Emilia Gutierres und Vater José. Dessen Vater Joseph Davet war der erste der Familie, der nach Chile auswanderte. |
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Helvecia mit ihrem Vater José Davet auf dem Pilatus im Jahr 1927 während einer Reise in die Schweiz. Also in der Zeit des Exports der Kühe nach Chile. |

Am Sonntag, 21. September, kehrten wir zu der Herde zurück, in der wir zwei Tage zuvor den schwarz-weissen Stier gefunden hatten. Nach kurzer Zeit hatten wir das stolze Tier am Lasso und konnten ihn zu einem der wenigen Bäume im freien Grasland bringen, wo wir ihn fixierten. Während Sergio mit zwei weiteren Helfern den Bullen festhielten, konnte ich ihm die Ohrmarke anbringen und die Gewebe- und Blutprobe entnehmen. El Toro war mit diesen Aktionen alles andere als einverstanden und forderte die volle Aufmerksamkeit aller Beteiligten. Beim ersten Anlauf der Blutentnahme warf mich der Kerl zur Unterhaltung aller anderen mit einem Tritt ins Gebüsch. Zum Glück klappte es dann doch noch beim zweiten Versuch.
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| Mit vereinten Kräften gelang es, den Bullen für die Merkierung, die Vermessung und die DNA-Entnahme zu fixieren. |
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Nach der aufregenden Prozedur macht sich der kräftig bemuskelte Stier auf den Weg zurück zu seinen Kühen.
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Zusammen mit Vieh-Experte Sergio Solar (m.) und Fernando Baeriswyl vom Chilenischen Landwirtschaftsamt in Santiago (r.) freue ich mich auf die erfolgreiche Blutentnahme.
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Danach wollten wir Proben von einigen Kühen von Jaime Barrientos nehmen. Doch die Tiere, die wir gestern rasch fanden, waren heute unauffindbar. Nur ein Tier, das vor wenigen Stunden ein Kalb warf, war im nahen Wald zurückgeblieben.
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Da es ebenfalls unserem "Beuteschema" entsprach, nutzten wir die Gelegenheit, DNA-Proben zu gewinnen und das Tier zu markieren.
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Ist das Tier fixiert, lässt sich auf der inneren Seite des Schwanzansatzes recht einfach und quasi schmerzfrei Blut entnehmen, aus dem sich die DNA extrahieren lässt.
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Hier geht es weiter zum 2. Teil des Reiseberichts.
Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung dieses Projekts durch:


September 2008, © ProSpecieRara
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