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Tiere halten und züchten
Sie möchten selber Tiere von gefährdeten Rassen halten? ProSpecieRara zeigt Ihnen, was Sie dabei berücksichtigen sollten, damit Ihr Engagement positive Wirkung zeigt.
Was Sie vorab klären müssen
Eine Herde Schafe, eine Gruppe Ziegen oder eine Schar Hühner? Ob sie schon zu Beginn wissen, mit welcher Gattung sie starten möchten oder noch unschlüssig sind – klären Sie auf jeden Fall ab, für welche Tiergattungen sich Ihre Stallungen und Ihre Weiden und Futtergewinnungsflächen eignen. Eine grobe Vorinformation finden Sie in unserem Nutztierkompass, detailliertere Informationen geben gute Fachbücher, das Internet und die landwirtschaftlichen Beratungsdienste der Kantone.

Nutzen Sie auch unser Kursangebot, das unter anderem einen alle zwei Jahre stattfindenden „Fachkurs Erhaltungszucht“ und verschiedene Tierhalterkurse beinhaltet. Unsere Kurse finden Sie unter hier. Informationen zu weitere Kursen finden Sie auch bei landwirtschaftlichen Schulen und Ämtern.

Die Wahl der Rasse
Weiss man, welche Gattung angeschafft werden soll, geht es an die Wahl der Rasse. Wir geben Ihnen mit unseren Rassenporträts eine Übersicht über alle gefährdeten Nutztierrassen, die ProSpecieRara fördert. Bei den Porträts finden Sie auch die Links zu den Internetauftritten der ProSpecieRara-Rassenvereine, deren Besuch wir Ihnen empfehlen. Folgende weiter Möglichkeiten bieten sich Ihnen für das Kennenlernen der verschiedenen Rassen:

  • Mit dem ProSpecieRara-Nutztierkompass haben sie alle wichtigen Informationen in gedruckter Form.
  • An Tier-Schauen (siehe Tier-Veranstaltungen) können Sie mit den Tieren und den Vereinen direkt in Kontakt kommen.
  • Auch auf Arche-Höfen oder in Tierparks mit ProSpecieRara-Rassen (siehe Schaunetz) können Sie Rassen kennenlernen. Bei weiteren Fragen können Sie die Fachleute bei ProSpecieRara und bei den Rassevereinen kontaktieren.

Tierkauf
Wer Tieren von gefährdeten Rassen ein Zuhause geben möchte, erwirbt selber seine Zuchttiere und übernimmt die Verantwortung für deren Haltung und Wohlergehen. Beachten Sie dabei folgende Punkte:

Kaufen Sie im Zuchtbuch erfasste, reinrassige Tiere, denn seriöse Erhaltungszucht basiert auf der Erfassung aller Zuchttiere in einem für jede Rasse separat geführten Zuchtbuch. Tun Sie dies auch, wenn Sie zu Beginn noch nicht wissen, ob sie bei einem Verein Mitglied werden möchten und züchten wollen. Erstens unterstützen Sie mit Ihrem Tierkauf bestehende Züchter und zweitens ist erfahrungsgemäss die Chance gross, dass mit der Haltung der Tiere der Wunsch erwächst, bei der Erhaltungszucht der Rasse aktiv mitzuhelfen. In dem Sie registrierte Zuchtbuchtiere kaufen, stehen Ihnen dafür die Türen offen. Fragen Sie darum beim Kauf der Tiere nach den Abstammungspapieren.

Zuchtbuchtiere finden Sie unter anderem auf der Tiervermittlungsplattform www.tierische-raritäten.ch. Dieser Service wird von ProSpecieRara in Zusammenarbeit mit den Rassevereinen angeboten und ist kostenlos. Alle Inserate wurden von den Rassevereinen geprüft. Wenn kein passendes Inserat vorhanden ist, können Sie hier auch ein Suchinserat aufgeben.

Wenn Sie eine grössere Anzahl Tiere halten möchten können Sie entweder mit wenigen Tieren starten und sich durch eigene Zucht einen Bestand aufbauen oder gleich zu Beginn eine grössere Gruppe anschaffen. In beiden Fällen gilt: Je mehr verschiedene Blutlinien Sie in Ihrem weiblichen Tierbestand haben, umso schwieriger ist es, ein für alle weiblichen Tiere passendes, männliches Zuchttier zu finden. Bedenken Sie dies bei Ihrem Kauf und kaufen Sie Ihre Tiere nicht auf vielen Betrieben zusammen.

Achten Sie beim Kauf der männlichen Zuchttiere darauf, dass diese genetisch zu den weiblichen Tieren passen, denn zu nahe verwandte Elterntiere führen zu Jungtieren mit hoher Inzucht. Um genetisch passende Zuchtgruppen zusammenstellen zu können, ist es darum ratsam, sich vor dem Kauf an die Zuchtbuchführung des entsprechenden Rassevereins zu wenden. Dort erhalten Sie vor dem Kauf Auskunft darüber, ob die Tiere zusammen passen.

Niemand liebt lange Tiertransporte und gerne kauft man Tiere in der Nähe. Tiere in einer Region sind daher untereinander meist enger miteinander verwandt als mit der restlichen Population im Land. Zeigen Sie Verständnis dafür, wenn Ihnen die Zuchtleitung empfiehlt, Tiere eines weiter entfernten Betriebs zu kaufen und lassen Sie den Transportweg nicht zum wichtigsten Argument werden. Wer seine Tiere von weiter her holt, hat bei späterem Zuchttierbedarf in der eigenen Region oft mehr Auswahl, zum Beispiel wenn man dann später den Widder oder den Güggel austauschen muss.

Nach dem Kauf der Tiere

Werden Sie Mitglied beim Rasseverein, der Ihre Tierrasse betreut. Die Adressen finden Sie bei den Rassenporträts. Die Mitgliedschaft im Rasseverein hat viele Vorteile. Die Vereine bieten Hilfe bei der Tiervermittlung an und wissen, welche Tiere genetisch passen. Als Vereinsmitglied erhalten die Nachkommen Ihrer Tiere Zugang zum Zuchtbuch. Experten begutachten Ihre Tiere und beraten Sie bei Fragen rund um die Haltung und Zucht. Im Verein bleiben Sie zudem über Aktivitäten rund um die von Ihnen gehaltene Rasse auf dem Laufenden.

Für die Erhaltungszucht der gefährdeten Rassen ist es immens wichtig, die Abstammungen der Tiere zu kennen. Nur so lässt sich die Inzucht berechnen und nur mit aktuellen Zuchtbuchdaten können Tiere mit speziell seltener oder häufiger Genetik innerhalb der Rasse erkannt werden. Züchter, die nicht, unvollständig oder nur sporadisch melden, verhindern eine seriöse Zuchtplanung. Melden Sie also unbedingt regelmässig jede Mutation in Ihrem Tierbestand der Zuchtbuchführung (Geburt, Kauf, Verkauf, Tod).

Halten Sie die Inzucht tief. Führen Sie keine Paarungen durch, die Jungtiere mit einem Inzuchtgrad von über 6.25% ergeben. Wenn Sie Jungtiere behalten wollen, müssen Sie diese bei Erreichung der Geschlechtsreife von ihrem Vater trennen können oder aber diesen durch ein neues, nicht oder wenig verwandtes Vatertier ersetzen. Stehen mehrere neue valable Vatertiere zur Wahl, dann erkundigen Sie sich bei der Zuchtbuchführung nach der Häufigkeit derer Genetik und wählen wenn möglich das Zuchttier, dessen Genetik im Gesamtbestand weniger stark vertreten ist. Damit helfen Sie mit, die genetische Breite (Variabilität) der Rasse zu Bewahren.

Tierbeurteilungen sind wichtig, um Tiere zu erkennen, die für die Zucht geeignet sind, d.h. die einen gesunden Körperbau und die für die Rassen typischen Merkmale (u.a. Haarkleid, Färbung, Grösse). Auch darum führen die Rassevereine und ProSpecieRara Tier- und Beständeschauen durch. Diese bieten den Züchtern die Möglichkeit, Ihre Tiere zu präsentieren und beurteilen zu lassen, einen Überblick über den Zuchtstand anderer Zuchtbetriebe zu erhalten und Kontakte zu anderen Züchtern zu knüpfen. Ob mit oder ohne Tiere – Besuche solcher Anlässe lohnen sich. Bei vielen Rassevereinen besteht aber auch die Möglichkeit, dass Experten Ihre Tiere bei Ihnen zuhause begutachten, ohne dass Sie mit Ihren Tieren an eine Schau gehen müssen. Erkundigen Sie sich bei Verein danach.

Die Mitgliedschaft im Rasseverein ist unabhängig von der Gönnerschaft bei ProSpecieRara. Züchterinnen und Züchtern steht es frei, nebst der Mitgliedschaft beim Rasseverein die Arbeit von ProSpecieRara als Gönnerin oder Gönner zu unterstützen.

Natursprung oder künstliche Besamung (KB)
Vor allem bei den Rinderrassen, aber auch in der Ziegenhaltung verschiebt sich das Verhältnis dieser beiden Zuchttechniken zugunsten der künstlichen Besamung. Diese Tendenz bringt den Züchtern zwar gewisse Vorteile (auch Betriebe, die keine Vatertiere halten können, können Teil der Erhaltungszucht sein; Ein Betrieb kann mehrere Rinderrassen reinrassig züchten; Inzucht kann mit Einsatz von KB-Stier umgangen werden), sie birgt aber auch erhebliche Risiken in sich. Eine Zunahme der künstlichen Befruchtung mit gefrorenem Sperma bedeutet einen Rückgang an lebenden, in der Zucht eingesetzten Stieren. Dies ist für kleine, gefährdete Populationen gefährlich, denn mit jedem wegfallenden Zuchtstier wird der genetische Pool kleiner. Will man kleine Populationen nachhaltig retten, sind möglichst viele, untereinander schwach verwandte Tiere gefragt. Dabei spielt die dezentrale Stierhaltung auf möglichst vielen Betrieben eine wichtige Rolle. Wann immer die Möglichkeit besteht, eine Stierhaltung umsetzen zu können, ist dies zu realisieren. Die Rassevereine stehen den Betrieben für entsprechende Auskünfte gerne zur Verfügung. Zum Thema Stierhaltung ist beim FiBL ein informatives, praxisorientiertes Merkblatt erschienen, das interessierten Betrieben empfohlen wird.

Auszeichnung mit dem ProSpecieRara-Gütesiegel
ProSpecieRara zeichnet mit seinem Gütesiegel Menschen und Betriebe aus, die aktiv bei der Erhaltungszucht mitmachen. Das Gütesiegel ist nebst einer Auszeichnung auch eine Vermarktungshilfe. Deren Inhaber können das ProSpecieRara-Logo zur Auslobung ihrer Produkte einsetzen. Es wird im Nutztierbereich pro Rasse vergeben. Mehr Details zum Gütesiegel und wie Sie als Tierhalter es beantragen, können finden Sie hier.

Mithelfen, die Rassen bekannt zu machen
In dem Sie gefährdete Tierrassen halten, helfen Sie auch mit, dass diese bekannter werden. Denn Ihre Tiere machen die gefährdete Vielfalt der Rassen zum Thema bei Ihren Freunden, Besuchern und Passanten. Wenn Sie die Möglichkeit haben Informationstafeln anzubringen oder Informationsmaterial aufzulegen, dann können Sie dieses bei uns beziehen. So gibt es z.B. für alle ProSpecieRara-Rassen kostenlose, wasserfeste Informationstafeln und für einige Rassen auch Blachen, die wir zum Herstellungspreis abgeben. Kontaktieren Sie uns bei Interesse.

Tiere verkaufen
Der Moment wird kommen, wo Tiere den Hof verlassen müssen. Wenn Sie überzählige Zuchttiere haben, die in einem Zuchtbuch erfasst sind, dann steht Ihnen die Vermittlungsplattform www.tierische-raritäten.ch zur Verfügung. Hier können Sie Inserate mit Ihren Verkaufstieren aufschalten. Der Rasseverein prüft die Inserate und schaltet sie online. Sollten Sie mehrere Interessenten für Ihre Tiere haben, dann berücksichtigen Sie auf jeden Fall diejenigen Interessenten, die beabsichtigen, im Rahmen der Rassevereine eine Zucht zu betreiben. Bitte vergessen Sie beim Verkauf nicht mit dem Käufer abzumachen, wer den Handwechsel der Tiere ans Zuchtbuch meldet.

Tiere für ProSpecieRara-Tierpatenschaften zur Verfügung stellen
ProSpecieRara finanziert einen Teil Ihrer verschiedenen Massnahmen, die für die gefährdeten Nutztiere umsetzt, über Tierpatenschaften. Da unsere Paten und Patinnen reell lebende Tiere gewidmet bekommen, suchen wir immer wieder Tierhalterinnen und -halter, für deren Tiere wir Paten suchen dürfen und die es ihnen erlauben, auf Wunsch „ihre“ Patentiere zu besuchen. Die Tiere bleiben natürlich in vollem Besitz der Tierhalter. Ein Teil des Patenschaftsbetrages geht an die Tierhalter als Dank und Unterstützung für sein Engagement. Wenn Sie als Tierhalterin oder Tierhalter mithelfen wollen, dann freuen wir uns auf ihre Kontaktaufnahme über 061 545 99 11 oder info@prospecierara.ch. Vielen Dank!