#

E-Mail oder
Benutzername

Passwort

Anmelden
Neu registrieren
ProSpecieRara SchweizDEFRIT ProSpecieRara Deutschland


Weitere Bulletins:

Fördern ja, aber...
Bündner Oberländer Schafe zeigen innerhalb der Rasse eine grosse genetische Vielfalt. Bündner Oberländer Schafe zeigen innerhalb der Rasse eine grosse genetische Vielfalt.
Fördern soll man die seltenen Nutztierrassen – da sind sich alle einig. Was unter Förderung verstanden wird, das wird jedoch ganz unterschiedlich interpretiert. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) propagiert (und finanziert) hier einen Weg, den ProSpecieRara in Frage stellt.
Heisst fördern, die Rassen besser bekannt zu machen und die Bestände über die Suche nach neuen Zuchtbetrieben und das Verbessern von Absatzmöglichkeiten zu vermehren? Oder ist damit gemeint, dass die Leistungsfähigkeit, wie z.B. die Milchleistung oder die Mastfähigkeit gesteigert werden sollen? Diese Frage beantworten das BLW und ProSpecieRara unterschiedlich.

Genetische Vielfalt auch innerhalb einer Rasse
Genetische Unterschiede gibt es nicht nur zwischen den einzelnen Rassen, sondern auch innerhalb einer Rasse. So gibt es z.B. Bündner Oberländer Schafe, welche leichter und solche die etwas fleischiger sind oder auch Unterschiede in der Wollqualität aufweisen. Es ist ein zentrales Merkmal alter Rassen, dass sie ein gewisses Mass an Streuung aufweisen. Und diese innere Vielfalt an Körpermerkmalen und Leistungsniveaus macht die alten Rassen zu dem, was sie sind: Sie sind in vielen Bereichen einsetzbar und können dank ihrer Vielfalt an Eigenschaften auf zukünftige Umweltveränderungen reagieren. ProSpecie- Rara ist bestrebt, diese ganze Vielfalt zu erhalten.

Sorgfältige Auswahl
Trotzdem findet auch bei den seltenen Rassen eine Selektion bei den Zucht- tieren statt. So gibt es z.B. naturgemäss immer mehr männliche Tiere, als be- nötigt werden, entsprechend muss man sich entscheiden, mit welchen Tieren man weiterzüchten möchte. Und hier wurden auch für die ProSpecieRara-Rassen Rassestandards erstellt, welche definieren, in welche Richtung sich eine Rasse entwickeln soll. Die Leistung, also beispielsweise die produzierte Milchmenge, ist dabei nur ein Kriterium unter vielen. Genau so wichtig sind Robustheit, Geländegängigkeit, Genügsamkeit und viele mehr – je nach Rasse kommen andere Eigenschaften dazu oder werden unterschiedlich gewichtet.

Heikle Zeichen vom Bundesamt
Das BLW hingegen, das letztlich über verschiedene Kanäle die Rassen finanziell fördert, regelt die Erhaltung der seltenen Rassen über die gleiche Tierzuchtverordnung, welche auch für die modernen Leistungsrassen gilt. Leistungsrassen müssen produktiv und rentabel sein. Entsprechend werden in so genannten Zuchtwertschätzungen Milchmengen bzw. Gewichtszunahmen etc. gemessen und nur mit den produktivsten Tieren soll weitergezüchtet werden. Die Vielfalt innerhalb einer Rasse ist dabei störend. Auch in den Zuchtverbänden der ProSpecieRara- Rassen gibt es immer wieder einzelne Stimmen, die sagen, man müsse mit einer Rasse nun vorwärts machen und zusehen, dass sie besser an Gewicht zulege, sprich bei der Zuchtauswahl strenger vorgehen. Der Ansatz des BLW bestärkt sie darin. Durch die Konzentration auf ein einziges Auswahl- bzw. Selektionskriterium läuft man aber Gefahr, eine Vielzahl an Eigenschaften und damit einen wesentlichen Teil des Genpools innerhalb einer Rasse zu verlieren.

Lobbyieren für die Vielfalt
Im Rahmen der Revision des Landwirtschaftsgesetzes haben wir uns zusammen mit Partnerorganisationen dafür eingesetzt, dass die Erhaltung der bedrohten Nutztierrassen mehr Gewicht erhält. Wir freuten uns über die Schaffung eines neuen Artikels (147a) zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der genetischen Ressourcen. Jüngste Informationen zeigen jedoch, dass von Seiten BLW nun doch keine Bereitschaft besteht, den gefährdeten Rassen eine angepasste Verordnung zu geben und dass auch der neue Artikel über die alte, auf die Leistungszucht ausgelegte Verordnung abgedeckt sein soll. Wir bleiben am Ball und machen uns weiter dafür stark, dass Spiegelschaf, Stiefelgeiss und Co. das bleiben, was sie sind: einzigartige Rassen mit individuellen Talenten.

Philippe Ammann, Bereichsleiter Tiere

© ProSpecieRara, Juni 2013