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Sechs der 103 gestohlenen Saaser Mutten sind wieder zurück im Tal
Die wiedergefundenen Saaser Mutten konnten am 18.10.2014 den Weg von Italien zurück ins Saastal antreten. Die wiedergefundenen Saaser Mutten konnten am 18.10.2014 den Weg von Italien zurück ins Saastal antreten.
Mitten in der Startphase des Rettungsprojekts für die bedrohten Saaser Mutten sorgt der Diebstahl von 103 Schafen für Konsternation. Am Samstag, 18.10.2014 konnten sechs Tiere wieder ins Saastal zurückgebracht werden.
Kurz nach der öffentlichen Lancierung des Rettungsprojekts für die Saaser Mutten müssen die Schafhalterinnen und Schafhalter im Saastal einen Tiefschlag einstecken: 103 Schafe fehlten an der jährlichen Schafscheid.



Saaser Mutten unterhalb des Mattmark-Staudamms am Salzlecken.

Freitag, 12. September 2014: Die traditionelle Alpabfahrt der Saaser Mutten vom Ofental oberhalb des Mattmark-Staudamms hinunter ins Saastal beginnt mit dem Zusammentreiben der Schafe. Mitte Nachmittag stösst ProSpecieRara-Projektleiter Philippe Ammann zu den Schäfern und den Tieren, die unterhalb des Staudamms Pause machen und mit Salz versorgt werden. Die Stimmung ist gedrückt, es fehlen Schafe. Wie viele ist in der grossen Gruppe noch nicht auszumachen. Aber es sind viele.

Die Tiere werden unterhalb des Staudamm-Ausgleichsbeckens in die Nachtweide gebracht und nach und nach stossen alle Züchter dazu. Hauptthema: Es fehlen viel zu viele Schafe. Dass einzelne Schafe nicht von der Alp zurückkehren, ist Teil des Alplebens. Dass kleinere Gruppen nicht mit runter kommen kennt man auch - man geht sie in den folgenden Tagen suchen und holen. Dass jedoch mehrere Duzend Tiere fehlen, verbreitet Unsicherheit.


Einzug der Schafe auf den Scheidplatz in Saas-Almagell 13.9.2014

Samstag, 13. September 2014: Die Schafscheid beginnt mit dem Einzug der Schafe in die historischen Steinpferche oberhalb von Saas-Almagell. Alle Schäfer sind anwesend und das Aufteilen der Schafe auf die einzelnen Betriebe beginnt. Was normalerweise als schöne Tradition über die Bühne geht, hinterlässt heuer einen schalen Beigeschmack: Es fehlen 103 Schafe! Viele sind betroffen. Eine Züchterin, die 34 Tiere auf die Alp gebracht hatte, steht jetzt vor komplett leerem Pferch.


Die Saaser Schäfer suchen an der Schafscheid nach vielen Schafen vergebens.


Einige Gruppen haben keine Verluste, in anderen Pferchen fehlen wenige bis alle Tiere.

Noch am Samstagvormittag wird beschlossen, einen Helikopterflug zu bestellen, um das Mattmarkgebiet und die umliegende Region nach den fehlenden Schafen abzusuchen. Der Flug bringt keine neuen Erkenntnisse.

Sonntag, 14. bis Mittwoch 17. September 2014:
Auch auf weiteren Suchaktionen zu Fuss ist keine Spur der vermissten Schafe zu finden. Die Polizei wird eingeschaltet. Auch weil Augenzeugen berichten, dass Menschen mit Hunden Gruppen von Schafen Richtung italienischer Grenze getrieben haben.

Mittwoch, 17. September 2014: ProSpecieRara informiert die Medien und hofft, auf diesem Weg zu Hinweisen über das Verbleiben zu gelangen. Die Aussicht, die vermissten Schafe noch zu finden, schwindet. Von allen möglichen Erklärungen bleibt nun mehr ein Schafraub der plausibelste. U.a. die Sendung Schweiz aktuell berichtet über die vermissten Schafe.

Montag, 22. September 2014: Im Saastal kursieren Gerüchte, dass die vermissten Saaser Mutten und die Diebe gefunden wurden. Leider trifft dies nicht zu. Die Polizei verfolge eine Spur, mehr kann aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden.

Donnerstag, 25. September 2014: Nachfragen bei der Walliser Kriminalpolizei bringen weiterhin keine Neuigkeiten. Die Zusammenarbeit der Justizbehörden auf beiden Seiten der Landesgrenze wirkt sich verzögernd aus, da die Schweizer Behörde nur mit Anträgen an Italien agieren kann. Die Situtation ohne konkrete Fortschritte frustriert die Schäfer im Saastal zusätzlich. Die Kriminalpolizei bittet ProSpecieRara um Listen, auf denen Tiernummern der gesömmerten Schafe verzeichnet sind.

Samstag, 27. September 2014: Die Zusammenarbeit der Wildhüter auf beiden Seiten der Grenze zeigt erste Erfolge. Dank intensiven Ermittlungen der italienischen Wildhüter konnten die Täter ausfindig gemacht werden, die den Schafraub in der ersten Septemberhälfte verübten. Es handelt sich um zwei italienische Schafhalter, Vater und Sohn, die zugegeben haben, über hundert Schafe aus dem Walliser Mattmarkgebiet gestohlen zu haben. Die anscheinend verarmten Täter gaben an, mit einem Teil der gestohlenen Schafe Schulden beglichen zu haben. Getrübt wird der Ermittlungserfolgt durch den Umstand, dass bisher lediglich sechs der vermissten 103 Saaser Mutten effektiv ausfindig gemacht werden konnten. Drei Saaser Schäfer konnten diese am Samstag in Begleitung mit den italienischen Wildhütern südlich von Domodossola identifizieren. Die Spur zu den Schafen führte über einen Restaurantbesitzer, der die Schafe ohne zu wissen, dass es sich um gestohlene Tiere handelte, als Zahlung für offene Schulden von den Tätern angenommen und weiterverkauft hatte. Die sechs Tiere konnten vorerst noch nicht ins Saastal zurückgebracht werden. Die Ermittlungen über den Verbleib der restlichen Tiere laufen weiter auf Hochtouren. Ohnmächtig ist, dass die Täter sich in Bezug auf den Verbleib der übrigen Tieren in Schweigen hüllen und die italienischen Justiz keinen Druck macht, hier an weitere Erkenntnissen zu gelangen. Es ist wenig wahrscheinlich, dass alle 103 gestohlenen Tiere wieder in Saastal zurückkehren werden. Auch, weil auch Metzgereien in die Vermittlungen involviert sind. Die grosse und sehr lobenswerte Motivation der italienischen Wildhüter, den Fall zu lösen, lässt jedoch weiter hoffen, dass über die sechs gefundenen Tiere hinaus noch mehr Saaser Mutten lebend gefunden werden können.


Die sechs bei Domodossola wiedergefundenen Saaser Mutten wurden zur Sicherheit markiert (27.9.2014)

Samstag, 18. Oktober 2014: Die Suche nach den verbliebenen 97 Saaser Mutten läuft noch immer. Die Ermittlungen ergaben bisher, dass sicher ist, dass 16 der 103 gestohlenen Tiere geschlachtet wurden. Abzüglich der 6 gefundenen Tiere gibt es somit von 81 noch immer keine Neuigkeiten. Wenigstens gab die italienische Polizei nun endlich die gefundenen und seither beschlagnahmten Tiere frei. So konnten am 18. Oktober zwei Saaser Schäfer die am 27. September gefundenen Schafe in der Region Novara abholen und ins Saastal zurückbringen. Leider erfuhren die Schäfer vor Ort, dass ein Tier in der Zwischenzeit verendete - es war trächtig und erlag anscheinend den Strapazen, dass es hinter sich hatte. Ein weiteres Tier musste sehr schwach entgegengenommen werden, kam aber heil im Wallis an. Ein kleiner Lichtblick war, dass ein Mutterschaf in den Tagen nach dem 27. September ein gesundes Lamm zur Welt brachte: Ein kleiner weisser Widder, der zusammen mit der Gruppe in die Schweiz zurückkehren konnte. Die Tiere stehen jetzt unter tierärztlicher Aufsicht und wir hoffen, dass sie nach ihrer Odysse wieder zur Ruhe und zu Kräften kommen.


5 der 6 Schafe, die am Samstag, 18. Oktober wieder im Saastal angekommen sind.


Die sechste Heimkehrerin war leider in schlechtem Zustand. Wir hoffen, dass die Aue bald wieder gesund wird.

Wie weiter?
Sollten die restlichen 81 Saaser Mutten unauffindbar bleiben, stellt dies einen dramatischen Verlust für das Projekt dar. Aber auch, wenn dieser Verlust die genetische Basis für das Projekt verringert, einen finanziellen Verlust für die Züchter darstellt und viele negative Emotionen mit sich bringt, wird ProSpecieRara zusammen mit den Schafhalterinnen und -haltern das Rettungsprojekt wie geplant umsetzen und jetzt erst recht alles daran geben, dass die Saaser Mutten eine Zukunft haben.


Schweiz Aktuell-Beitrag zum Verschwinden der Saaser Mutten





Oktober 2014, © ProSpecieRara