Kartoffeln

’Lauterbrunnen’, ’Frühe Prättigauer’, ’Safier’ – in unseren Bergtälern haben zahlreiche alte Kartoffelsorten überlebt. Ihre Vielfalt an Aromen, Farben und Kocheigenschaften begeistern Hobby- und Profiköche gleichermassen.

Spitzenköche bestätigen, dass die ’Röseler’ die beste Teigkartoffel überhaupt ist. Die ’Acht-Wochen-Nüdeli’ schmeckt gedämpft wunderbar zart, fürs klassische Maluns kommt man kaum an der ’Parli’ vorbei und in blauen Chips und Pommes frites steckt die ’Blaue St. Galler’.
So hochgeschätzt die alten Kartoffelsorten in der Küche sind, so tückisch sind sie teilweise im professionellen Anbau: Einerseits sind ihre Erträge meist deutlich geringer als bei modernen Sorten, andererseits sind sie oftmals krankheitsanfälliger. Und in der maschinellen Verarbeitung sind einheitlich gestaltete Kartoffeln natürlich einfacher zu handhaben als eine heterogene Ernte. Da die alten Kartoffelsorten diese Nachteile in der Küche aber eben mehr als wett machen und auch hier eine möglichst grosse genetische Vielfalt Sicherheit bedeutet, setzen wir uns für das Überleben von mehr als 50 Kartoffelsorten ein.

Vielfalt bedeutet Sicherheit
Gerade auch bei den Kartoffeln bedeutet Sortenvielfalt Sicherheit im Anbau. Beim Pflanzen der Kartoffeln im Frühling kann niemand vorhersagen, ob der Sommer besonders regenreich, heiss oder trocken wird. Während die einen Sorten mit dauernassen Böden besser zurechtkommen, geraten andere weniger schnell in Hitzestress. Auch mit Krankheitserregern gehen die Sorten unterschiedlich um. Die grossen Hungersnöte, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Irland herrschten, sind u.a. darauf zurückzuführen, dass lediglich zwei Kartoffelsorten angebaut worden sind und beide auf eine neu eingeschleppte Pilzerkrankung äusserst anfällig reagiert haben. So kam es zu flächendeckenden Ernteausfällen.

Erhaltung via Labor
Kartoffeln werden nicht über Samen sondern über Knollen vermehrt, deshalb sind sie relativ anfällig auf Viren. Diese werden z.B. durch Läuse übertragen. Nimmt man immer wieder Kartoffeln aus der eigenen Ernte für den Anbau im kommenden Jahr, sammeln sich über die Jahre hinweg viele Viren an. Diese sind für den Menschen gesundheitlich unbedenklich, bewirken aber bei den Kartoffeln verringerten Ertrag und grössere Anfälligkeit auf Krankheiten.

Deshalb werden die Sorten für die Vermehrung speziell geschützt angebaut:

  • In einem ersten Schritt werden alle von ProSpecieRara gesammelten Kartoffelsorten im Labor von Viren befreit.
  • In der sogenannten Duplikatsammlung in der St. Gallischen Saatzuchtgenossenschaft in Flawil werden von den 50 Sorten anschliessend je vier Knollen in speziellen Substratsäcken unter sehr feinmaschigen Vliestunnels ausgepflanzt. So sind sie optimal sowohl von im Boden lebenden Viren als auch vor solchen, die durch Insekten übertragen werden geschützt. Pro Sorte entstehen so bis zu 100 Knollen.
  • Von einem Teil der Knollen werden in Flawil unter ähnlich geschützten Bedingungen noch mehr Knollen in bester Pflanzgutqualität vermehrt, um sie für Landwirte und ProSpecieRara-Gönner und zur weiteren Vermehrung verfügbar zu machen.
  • Diese Sanierungs- und Vermehrungsarbeit wird vom Bundesamt für Landwirtschaft im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen unterstützt.

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