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Erhaltung der Dunklen Biene im Val Müstair
Das Projekt "Erhaltung der einheimischen Dunklen Biene Apis mellifera mellifera im Val Müstair" hat zum Ziel, im Münstertal ein Reinzuchtgebiet für die Dunkle Biene zu schaffen und damit einen nachhaltigen Beitrag an die Erhaltung dieser einheimischen Bienenrasse zu leisten.
Das Projekt wird vom Bienenzüchterverein Val Müstair, dem Verein Schweizerischer Mellifera Bienenfreunde, apisuisse, ProSpecieRara und der Biosfera Val Müstair durchgeführt. Es startete 2007 und verfolgt folgende Ziele:

  • Aufbau einer autonomen Imkerei im Val Müstair mit einer einheitlichen, dem Standort angepassten Population der Apis mellifera mellifera.
  • Aufbau einer lokalen Belegstation im Val Müstair und damit einer autonomen Versorgung mit reinrassigen Königinnen durch erfahrene Imkerinnen und Imker im Tal.
  • Verbesserung der Völkerqualität
  • Verdrängung andersrassiger oder mischrassiger Bienen und Stände durch Einweiselung (Bestückung) der Völker mit reinen, dunklen Königinnen aus  einheimischer Zucht. Dadurch entsteht eine einheitliche Population, in der mittelfristig keine Mischlinge entstehen können.

Das Münstertal - ein ideales Bienenschutzgebiet
Das Münstertal bietet dank seiner geographischen Isolierung mit rundherum für Bienen unüberwindbaren Bergen und nur einer Talöffnung ideale Voraussetzungen für ein Schutzgebiet.
Gerade so wichtig ist jedoch auch, dass die Münstertaler Imker und Imkerinnen gemeinsam hinter dem Projekt  stehen. Denn nur wenn alle mit dem gleichen Ziel imkern, kann der Dunklen Biene ein Schutzgebiet geschaffen werden. Hier hat die erste Projektphase 2007-2009 viel Überzeugungsarbeit leisten können und einzelne Imker, die zu Beginn eher skeptisch waren, zum Mitmachen motivieren können. Ende 2012 endete die zweite vom Bundesamt für Landwirtschaft mitfinanzierte Projektphase (2010-2012).


Stetige Verbesserung dank Bienenbiologie
Die Biologie der Biene ermöglicht es, dass andersrassige und mischrassige Völker durch die Einweiselung von geprüften Königinnen zu reinrassigen Völkern werden können.

Bei Nutztierrassen aus der Klasse der Säugetiere, wie z.B. Schaf, Rind oder Ziege, müssen andersrassige Tiere oder Mischlinge von der Erhaltungszucht ausgeschlossen werden. Denn werden diese mit reinrassigen Tieren verpaart, bleibt immer ein Anteil Fremdblut vorhanden. Diese sogenannte Verdrängungszucht ist daher keine gute Strategie um Rassen zu erhalten.

Bei den Bienen bestehen hingegen anderen Möglichkeiten. Die Königin wir in ihrem Leben nur einmal begattet. Auf ihrem Hochzeitsflug erhält sie Spermien von 10-15 Drohnen, genügend um ihr ganzes Leben lang Eier zu legen.

Für die Erhaltungszucht ist es somit eminent wichtig, dass dieser Hochzeitsflug bei einer Belegstation geschieht. Das ist ein geographisch abgelegenes Bienenhaus, in dem nur reinrassige Drohnenvölker leben. Damit kann gewährleistet werden, dass aus den Eiern der Königinnen, ausschliesslich reine Dunkle Bienen schlüpfen.

Weiselt man nun in ein bestehendes Volk eine reinrassig begattete Königin ein (ein heikler Prozess, bei dem die alten Königin durch eine neue ersetzt wird) so produziert diese fortan reinrassige Jungbienen. Da die Lebensdauer einer Biene nach dem Schlupf nur etwa einen Monat beträgt, ersetzen die neuen Bienen die alten nach und nach, so dass das Volk schlussendlich keine andersrassige Genetik mehr aufweist.

Die Belegstation "Las Clastras": Um das Haupt-
haus werden in der Zuchtsaison die kleinen
Kätchen mit den zu begattenden Königinnen auf-
gestellt
In solchen Kästen lebt die junge Königin mit
einem kleinen Vok, das sie versorgt.

2007, im ersten Projektjahr wurden 24 Königinnen-
kästen durch einen Bären zerstört.
Um in den folgenden Jahren solche Rückschläge
zu verhindern, musste die Belegstation aufwändig
mit einem Elektrozaun geschützt werden.

Die Dunkle Biene ist gut an die lokalen, strengen
Winter angepasst. Fürs Projekt wirkt die relativ
kurze Saison limitierend auf die Anzahl Königinnen,
die pro Saison gezüchtet werden können.
Die Dunkle Biene ist sehr sanftmütig, so dass auch ohne Schutzanzug am Volk gearbeitet werden kann.

Aussicht
Auch wenn die zweite Projektphase 2010-2012 abgeschlossen ist, bleibt noch Arbeit, um das Ziel eines 100%igen Schutzgebietes zu erreichen. Noch stehen einige DNA-Prüfungen von lokalen Völkern an und es gilt ein auf einem letzten Betrieb, ganz auf die Dunkle Biene umzustellen. Nebst dem züchterischen Fachwissen gilt es somit weiter, auch in der persönlichen Beratung und Überzeugung Fingerspitzengefühl zu zeigen, damit auch die letzten Schritte noch erfolgreich gemacht werden können und alle Imkerinnen und Imker im Val Müstair sicher sein können, dass ihre Königinnen auf dem Hochzeitsflug von Dunklen Bienen begattet werden.

Oktober 2015, © ProSpecieRara
Weitere Informationen
Das Projekt wird unterstützt durch:

   
Kontaktieren Sie uns

Erwin Kump
Projektleiter Tierbereich
Telefon +41 61 545 99 38
Kontakt