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Maulbeerbäume – Zeugen einer spannenden Kulturgeschichte
Der Maulbeerbaum ist als Nutzpflanze aus unserer Umgebung fast vollständig verschwunden. Bis ins 19. Jahrhundert war er aber eine wichtige Kulturpflanze, die sehr vielseitig genutzt wurde. Während der Weisse Maulbeerbaum vorwiegend als Futterpflanze für die Seidenraupen angebaut wird, besticht der Schwarze Maulbeerbaum durch seine schmackhaften und heilsamen Beeren.

Aufruf und Inventarisierung

ProSpecieRara hat die Maulbeerbäume  der Schweiz inventarisiert. Dazu starteten wir 2012 in verschiedenen Medien einen Suchaufruf, was zu erfreulich vielen Rückmeldungen führte. Von den über 420 Meldungen wurden inzwischen die interessantesten und ältesten Bäume gesichtet und ihre Merkmale erfasst. Und es konnten Jungbäume herangezogen werden, damit dieses spannende Kulturgut am Leben erhalten bleibt.

 

Schwarze Beeren, weisser Baum?

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind die Blätter. Die des Weissen Maulbeerbaumes (Morus alba) sind auf der Oberseite glatt und leicht glänzend und nur die Blattnerven auf der Unterseite sind behaart. Die Blätter des Schwarzen Maulbeerbaumes (Morus nigra) hingegen sind etwas ledrig und auch auf der Oberseite leicht behaart. Die Farbe der Früchte ist aber kein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal, denn es gibt auch Weisse Maulbeerbäume, die violette bis schwarze Früchte tragen.

 

Futterpflanze für Seidenraupen

Zudem unterscheiden sich die beiden aus Asien stammenden Maulbeerbäume auch durch ihre unterschiedliche Nutzungsgeschichte. Der Weisse Maulbeerbaum wurde in China bereits um 3400 v. Chr. als Futterpflanze für die Seidenraupen kultiviert. Seit dem 12. Jahrhundert wird der Baum auch in Südeuropa angepflanzt. Im 18. und 19. Jahrhundert machte man in fast allen Schweizer Kantonen Anbauversuche, um die Seidenindustrie als Wirtschaftszweig zu etablieren. Doch nicht nur hartnäckige Raupenseuchen, sondern auch die Erfindung der Kunstseide und billigen Kunststoffe wie Nylon und Perlon machten die seidenen Träume bald zunichte.

Fast ist diese Nutzung der Weissen Maulbeerbäume in Vergessenheit geraten. Doch seit einigen Jahren haucht die Vereinigung Swiss Silk, der Seidenproduktion in der Schweiz wieder neues Leben ein. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Seidenraupenzucht als attraktiven Nebenerwerb für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.

Gesunde und schmackhafte Beeren

Viel früher als der Weisse Maulbeerbaum kam der aus Persien stammende Schwarze Maulbeerbaum nach Europa. Er wurde bereits in der Antike kultiviert. Die Griechen genossen die brombeerartigen Beeren hauptsächlich frisch oder verwendeten sie zum Färben des Weins, während die Römer den Baum als Sitz der Weisheit verehrten und ihn in allen Provinzen verbreiteten. Auch im Mittelalter fand er vielseitige Verwendung als Heilpflanze.

Heute ist er ein zwar seltener, aber beliebter Obstbaum. Die angenehm würzigen, süss-säuerlichen und sehr saftigen Früchte eignen sich sowohl zum roh Essen als auch für die Herstellung von Sirup und Konfitüre.

Vermehrung und Aufbau von Erhaltungssammlungen

Damit das kulturhistorische und genetische Erbe der Maulbeerbäumen erhalten bleibt, müssen Jungpflanzen nachgezogen werden. Mit Christoph Roth von der Baumschule Roth haben wir dazu einen kompetenten Partner. In seiner Jungpflanzen-Baumschule in Dorf (ZH) gedeihen bereits erfolgreich vermehrte Maulbeerbäume. Doch bis hin zur Absicherung dieses kulturhistorischen Erbes liegt noch ein arbeitsintensiver Weg vor uns. Diesen möchten wir gerne zusammen mit Ihrer Unterstützung gehen. Haben Sie Interesse an einem Jungbaum? Oder möchten Sie einen Sortengarten bei sich zu Hause anlegen? Gerne verweisen wir Sie auf das PDF "Maulbeerbäume bestellen und pflanzen".

Die Sendung "Doppelpunkt" auf SRF1 berichtete am 8. Oktober 2013 ausführlich über das Maulbeerprojekt.

Für weitere Informationen zum Inventar und zur Verbreitung der Maulbeerbäume in der Schweiz siehe den Projektbericht.


April 2016, © ProSpecieRara

Kontaktieren Sie uns

Gertrud Burger
Mitglied der Geschäftsleitung, Bereichsleiterin Pflanzen
Telefon +41 61 545 99 26
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