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Rettung der Vielfalt der Walliserziegen
Ende 2006 stiess ProSpecieRara auf eine Ziege, die für Aufsehen sorgte. Sie war wie eine Walliser Schwarzhalsziege gezeichnet, ihre vordere Körperhälfte war jedoch nicht tiefschwarz sondern kupferbraun. Die Stiftung vermutete darin einen uralten Schlag der Walliser Rasse und startete umgehend ein Rettungsprojekt, das in der Folge für weitere Überraschungen sorgte.
Projektstart 2006
ProSpecieRara wurde 2006 durch einen Hinweis eines engagierten Ziegenzüchters im Berner Oberland auf die Kupferhalsziege aufmerksam. Recherchen in historischen Büchern und Auskünfte von alten Züchtern ergaben, dass es schon immer Kupferhalsziegen in Beständen von Walliser-Schwarzhals-Ziegen gab. Ziegen also, die anstelle der schwarzen Vorderhälfte eine helle Kupferfarbe aufweisen. Da diese zahlenmässig wohl immer schon seltener waren und sich die Züchter im Wallis vor allem auf die Zucht der Schwarzhalsziege konzentrierten, wurden die Kupferhälse bei der Einführung des offiziellen Zuchtbuchs vor über 100 Jahren nicht berücksichtigt, erhielten dadurch auch keinen Rassestandard und waren damit faktisch nicht mehr förderungswürdig, resp. wurden fortan als inexistent behandelt. Kupferfarbige Tiere, die immer wieder aus der Zucht hervorkamen, galten als fehlerhaft und landeten meist als Gitzi auf der Schlachtbank.

2006 hielten darum nur noch wenige Züchterinnen und Züchter Kupferhälse, losgelöst vom offiziellen Zuchtgeschehen. Sei es, weil sie die Tiere noch von früher her kannten oder einfach deshalb, weil ihnen die attraktiven Ziegen gefielen. Dank diesen wenigen Menschen konnten ProSpecieRara bis im Frühjahr 2007 noch 28 lebende Tiere ausfindig machen. Sie waren die Grundlage für ein ambitioniertes Rettungsprojekt.

Der Wiederaufbau beginnt
Mit so wenigen Tieren ein Rettungsprojekt zu starten, stellte alle Beteiligten vor grossen Aufgaben und setzte vor allem voraus, dass alle Betrieb eng miteinander zusammenarbeiteten. Denn nur durch ein gezieltes Zuchtprogramm lassen sich Inzuchtprobleme und der Verlust von Genetik verhindern. 6.25% ist ein Wert, der dabei eine zentrale Rolle spielt: diesen Wert soll die Inzucht nicht überschreiten. Diese Regel stellt sicher, dass nicht zu eng verwandte Tiere miteinander verpaart werden. Denn dies kann einerseits zu Jungtieren führen, die Missbildungen oder Erbkrankheiten zeigen, vor allem aber führt es zu einer Verarmung der Genetik. Damit die Inzucht auf tiefem Niveau gehalten werden kann, müssen alle geplanten Paarungen mithilfe des ProSpecieRara-Zuchtbuchprogramms vorgängig gerechnet werden. Kommen zu hohe Werte heraus, ist von der Paarung abzusehen und ein alternativer Bock zu suchen. In den vergangenen Projektjahren haben die Züchterinnen und Züchter diesbezüglich gut zusammengearbeitet und Anfang 2013 - sieben Jahre nach Projektstart - konnten bereits wieder 180 Tiere im Zuchtbuch gezählt werden.

Mission Generhaltung
Mit zunehmendem Bestand ist es nebst der Überwachung der Inzuchtwerte wichtig, das Monitoring auf die Gesamtgenetik auszuweiten. Dabei hilft der Wert der "genetischen Präsenz", der Auskunft darüber gibt, wie stark die Genetik der einzelnen Tiere in Form von lebenden Verwandten im Gesamtbestand vertreten ist. Ist der Wert eines Tieres tief, ist seine Genetik wenig vertreten und muss gefördert werden. Umgekehrt gibt es Tiere mit überdurchschnittlich vielen lebenden Verwandten. Hier versucht man zu bremsen, zum Beispiel in dem weniger Böcke aus dieser Genetik vermittelt werden. Weil sich die Werte durch Ab- und Zugänge durchs Zuchtjahr verändern, ist die Erstellung der Listen mit seltenen und stark verbreiteten Tieren eine regelmässige Aufgabe der Projektleitung.

Wissenschaftliche Untersuchung der Kupferfarbe
ProSpecieRara war von Beginn an überzeugt, durch die Rettung der Kupferhalsziegen wertvolle genetische Eigenschaften zu erhalten. Dank der Hilfe des Instituts für Genetik des Tierspitals Bern konnte 2014 dem Phänomen der offensichtlichsten Eigenart - der Kupferfarbe - wissenschaftlich auf den Grund gegangen werden. Nach vielen Blutproben und wissenschaftlicher Analyse im Labor stand fest, dass die Gene für die Kupferfarbe einzigartig. Damit wurden nicht nur Einwände entkräftet, dass es sich bei den Kupferhalsziegen um Mischlinge mit anderen Ziegenrassen handle, die Daten der Wissenschaftler halfen auch, den die Farbvererbung besser zu verstehen.

2013: Die Renaissance der grauen und reinweissen Walliserziegen
Das Projekt für die Kupferhalsziegen rückte eine in Vergessenheit geratene, hoch gefährdete und quasi unbekannte Walliserziege ins Rampenlicht. Jahrzehntelang kannte man nur die Schwarzhalsziegen, nun aber waren die "anderen Walliserziegen" in aller Munde. Und plötzlich sprach man auch von den grauen und reinweissen Walliserziegen, die es ja eigentlich auch noch gegeben hatte. Und mehr noch: es gab auch von ihnen noch lebende Vertreter. Sofort öffnete ProSpecieRara auch für diese Tiere das Zuchtbuch und erfasst seit 2013 alle lebenden Tiere unter den Namen Grüenochte Geiss (für die Tiere mit grauen Hälsen) und Capra Sempione (für reinweisse Tiere).

ProSpecieRara betrachtet die vier verschiedenen Walliserziegen als eine Gruppe. Für die Kupferhalsziegen, die Grüenochte Geissen und die Capra Sempione führt die Stiftung das Zuchtbuch, registriert alle Ziegehalterinnen und -halter und koordiniert die Erhaltungszucht. Das Zuchtbuch für die Schwarzhalsziegen wird seit Beginn an vom Schweizerischen Ziegenzuchtverband geführt.

Alle vier Walliserziegen müssen gefährdet eingestuft werden. Jede neu Züchterin und jeder neue Züchter ist wichtig und willkommen und wir hoffen, dass sich der Gesamtbestand weiterhin positiv entwickelt.

Helfen Sie mit!

  • Melden Sie uns, wenn Sie Kupferhalsziegen sehen oder Kenntnisse über Adressen von Ziegenhaltern haben, die kupferfarbige, graue oder reinweisse Tiere besitzen. Jeder Hinweis ist wertvoll!
  • Unterstützen Sie die Rettung der Kupferhalsziegen mit einer Spende. ProSpecieRara hat dafür ein Konto eingerichtet: PC 90-1480-3 Vermerk: "Kupferhalsziege". Herzlichen Dank!

 

August 2018, © ProSpecieRara

 

Weitere Informationen
Am 22. Dezember 2008 hat das Schweizer Fernsehen über das Kupferhalsziegenprojekt berichtet. Den Beitrag finden Sie hier

Und in diesem Video stellen wir Ihnen unser Projekt kurz vor.
Kontaktieren Sie uns

Philippe Ammann
Stv. Geschäftsführer, Bereichsleiter Tiere und Vermarktung
Telefon +41 61 545 99 28
Kontakt