Landschaftspflege mit alten Landrassen

Extensive Mehrnutzungsrassen sind die perfekten Partner für die schonende Landschaftspflege.

Wie den Wurzelgeflechten von Brennnesseln, Brombeeren & Co. Herr werden?: Wollschweine machen lassen!

Stiefelgeissen halten im Jura Wald- oder Wytweiden offen und lichtdurchflutet. Ist der Boden mager und trocken, entwickelt sich eine hohe Biodiversität.

Bündner Oberländer Schaf in der Landschaftspflege.

Ein Engadinerschaf macht sich in einer Kiesgrube hinter die Büsche und hält die Kiesflächen offen.

Die ProSpecieRara-Rinderrassen, wie hier die Hinterwälderkuh, sind durch leichtes Gewicht und gute Klauen sehr trittsicher in steilen Weiden.

Die leichten Skuddenschafe verursachen auf nassen Böden wenig Trittschäden.

Stiefelgeiss an ihrem Landschaftspflege-Arbeitsplatz inmitten von Büschen.

Auch Schafe können zur Bekämpfung von Verbuschung eingesetzt werden. Hier wird mit Bündner Oberländer Schafen Weideland zurückgewonnen.

Der Appetit der Ziegen, wie hier der Stiefelgeissen, auf Rinden, Knospen und Blätter, hilft bei der Bekämpfung der Verwaldung von Weideflächen.

Engadinerschafherde in steilem Terrain.

Mit Walliser Landschafen lassen sich auch etwas ältere, schon abgeblühte Weiden beweiden.

Bündner Oberländer Schafe beim Beweiden eines Bahnbords bei Genf.

Wollschweine wurden auch schon für die Pflege von Amphibiengewässer eingesetzt.

Die über viele Generationen andauernde Nutzung der Landschaft hat eine Vielfalt an Landschaftstypen mit artenreichen Pflanzen- und Tiergemeinschaften geschaffen. Mit dem fortschreitenden Verschwinden der kleinstrukturierten Landwirtschaft werden mehr und mehr dieser so entstandenen, ursprüngliche Nutzungsflächen aufgegeben. Das sind zum einen Flächen, die von besonderem Interesse für den Naturschutz sein können, da sich oft viele rare Wildpflanzen oder -tiere auf ihnen finden. Zum anderen betrifft es aber auch Flächen, die mit ihrem Erscheinungsbild ganze Landschaften prägen und darum zum Beispiel für den Tourismus von Bedeutung sind.

Ziegen statt Motormäher
Menschen und Organisationen, die diesem Verlust an Landschaftsqualität entgegentreten, bieten sich dafür verschiedene Strategien. Oft wird die Pflege von vergandenden und verbuschenden Flächen mit maschinellen Mitteln wie Motorsensen oder Kettensägen durchgeführt. Gerade zu Beginn von Pflegeprojekten kommt man meist nicht darum herum, effiziente Forsttechnik einzusetzen. Für die regelmässige und nachhaltige Pflege hingegen, bieten sich ProSpecieRara-Rassen als sanfte Landschaftspfleger an. Mehr und mehr Fachleute entdecken für die Erhaltung der Biotope wieder die traditionellen Nutztierrassen.

Lebendiger Werkzeugkasten
Dank der langjährigen Erhaltungsarbeit von ProSpecieRara stehen heute noch alte, robuste Landrassen für den Einsatz in der Landschaftspflege zur Verfügung. Mit ihren unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten sind sie wie ein lebendiger Werkzeugkasten, aus dem je nach Aufgabe die passende Rasse ausgesucht werden kann. Was Wollschwein, Stiefelgeiss & Co. alles draufhaben, zeigen wir Ihnen auf dieser Seite.

Stiefelgeissen – Ran an die Büsche!
Viele traditionelle Waldweiden drohen zu verschwinden. Mit ihnen gehen nicht nur ein Stück Landwirtschaftskultur verloren, sondern auch attraktive Wandergebiete und artenreiche Trockenstandorte. Möchte man die fortschreitende Verbuschung und Verwaldung stoppen, sind Ziegen ideale Helfer. Sie fressen mit Vorliebe Blätter, Rinden, Knospen und Keimlinge und drängen so die aufkommenden Büsche und Bäume effizient zurück. Die robusten Stiefelgeissen eigenen sich dafür besonders gut. Sie haben nicht so grosse Euter – ein Vorteil für das Herumklettern im Buschwerk. Aber auch andere Ziegenrassen wie z.B. die Capra Grigia, die Pfauenziege, die Bündner Strahlenziege und die Nera Verzasca können eingesetzt werden.

Walliser Landschafe & Bündner Oberländerschafe – überständiges Gras? Kein Problem!
Wo Naturschutz umgesetzt wird, müssen immer wieder Kompromisse eingegangen werden. Sollen bodenbrütende Vögel oder spezielle Blütenpflanzen die Möglichkeit haben, ihre Vermehrungszyklen abzuschliessen, kann es vorkommen, dass das Gras bereits verblüht ist, wenn die Weide für die Tiere freigegeben wird. Viele Schafe treten solche Wiesen nieder, anstatt das Gras zu fressen. Gut, gibt es die Walliser Landschafe und die Bündner Oberländer Schafe, die in dieser Hinsicht nicht so wählerisch sind und auf solchen Weiden noch eingesetzt werden können.

Skudden – Experten für nasse Standorte
Nasse Böden und Schafe, das verträgt sich normalerweise schlecht. Entstanden auf kargen und steinigen Böden, sind die Klauen der Schafe nicht für nasse Untergründe ausgelegt, so dass Klauenprobleme nicht lange auf sich warten lassen. Die Skudden lassen sich für Einsätze auf nassen Riedwiesen besser einsetzen als andere Rassen. Ihre Klauen sind robust und das leichte Gewicht lässt die kleinen Tiere weniger einsinken. Dennoch sollte es sich um zeitlich limitierte Beweidungen handeln und die Skudden dürfen nicht permanent auf nassen Böden stehen. Auch der Tierhygiene ist auf feuchten Standorten besondere Aufmerksamkeit zu schenken, da mit der erhöhten Anwesenheit von Schnecken die Parasitenkreisläufe optimal ablaufen können.

Spiegelschaf, Engadinerschaf und Saaser Mutte – robuste Schafe für extensive Weiden und für die Bekämpfung von Grünerlen
Diese drei Rassen lassen sich gut für die Bewirtschaftung von extensiven Weiden einsetzen. Als Landrassen sind sie gute Raufutterverwerter und ihre Lämmer sind bekannt für ihre hervorragende Fleischqualität. Spiegelschaf, Engadinerschaf und Saaser Mutte sind die grösseren der sechs ProSpecieRara-Schafrassen. Landschaftspflegeversuche im Gotthardgebiet zeigten auf, dass sich mit Hilfe von Robustrassen wie Engadinerschafen die sich stark ausbreitende Grünerle bekämpfen lässt. Während diese nach maschinellem Schnitt kräftig austreibt und damit die forstwirtschaftliche Landschaftspflege zu einer Sisyphusarbeit werden lässt, kommt das ansonsten konkurrenzstarke Gehölz mit dem Verlust von Rinde und Knospen durch Schaffrass nicht zurecht, leidet und stirbt bei genug starkem Frassdruck ab. Mehr zur Grünerlen-Bekämpfung finden Sie hier.

Rätisches Grauvieh, Hinterwälder & Evolèner Rind – Robust und geländegängig
Für die Landschaftspflege in steilen und extensiven Lagen eigenen sich leichte, kleine Rinderrassen, die sich im Terrain sicher bewegen und Raufutter effizient umsetzen.
Das Rätische Grauvieh brilliert mit ruhigem Gemüt und sagenhafter Fleischqualität. Sein geringes Körpergewicht und die grossen Trittflächen der Klauen sorgen für geringe Trittschäden, so dass die Tiere nach nassen Witterungen schneller wieder auf die Weide gelassen werden können, als schwere Rassen. Auch die Evolèner und die Hinterwälder Rinder bieten sich wie ihre grauen Genossinnen für Beweidungsprojekte an.

Wollschwein – Offenhalten von Laubfroschbiotopen, Bekämpfung von Brombeer- und Brennnesselhainen
Laubfrösche und andere Amphibien brauchen vegetationsfreie Uferstreifen mit maximaler Sonneneinstrahlung, die den Kaulquappen warme Wassertemperaturen garantiert. In Zeiten, wo gezähmte Flüsse keine Kieslandschaften mehr schaffen, übernehmen in Naturschutzgebieten oft Bagger die Hochwasserfunktion.
Dass es auch anders geht, zeigen die Wollschweine. Sie fressen mit Wonne die Ufervegetation und bekämpfen auf diese Weise die Verlandung seichter Wasserbereiche. Wichtig ist das jährliche Abwechseln der Einsatzgebiete, damit immer ungestörte Zonen bestehen.
Brombeeren oder Brennnesseln oberirdisch zu entfernen, ist keine langfristige Lösung. Wer diesen Pflanzen effizient zu Leibe rücken möchte, kann auf Wollschweine zurückgreifen. Die robusten Borstentiere entfernen die Wurzeln der Pflanzen und drängen die ungewünschte Vegetation effizient zurück. Wichtig für den Erfolg sind Timing, Bodenstruktur und die Tierdichte.
Ab und zu hört man auch von Wollschweinen, die in Christbaumkulturen zur Beweidung des Unterwuchses eingesetzt wurden. Dies wurde in früheren Zeiten versucht, funktionierte aber nur, weil man den Tieren Nasenringe verpasst hat, um ihnen das Pflügen des Bodens zu verleiden. Aus heutiger Sicht ist das aus Gründen des Tierwohls und der artgerechten Haltung nicht mehr vertretbar.

Herdebuchtiere: win-win für Landschaft und gefährdete Rassen
ProSpecieRara hilft aufzuzeigen, welche Rassen geeignet sind und vermittelt Kontakt-Adressen für die Anschaffung der Tiere. Für die Erhaltung der gefährdeten Rassen ist es interessant, wenn möglichst viele Projekte mit registrierten Herdebuchtieren aus den ProSpecieRara-Zuchtvereinen realisiert werden. Nebst der Erhaltung der Landschaft können so gleichzeitig auch die Rassen nachhaltig gefördert werden.

Vermarktung nicht vergessen
ProSpecieRara hilft überall dort, wo Produkte gefährdeter Rassen vermarktet werden. Ein wichtiges Werkzeug dafür ist das ProSpecieRara-Gütesiegel, das diese Produkte auszeichnet und damit deren Wertigkeit hervorhebt.

Lokale Betreuung ist Basis für die Beweidungsprojekte
Oft sind die zu pflegenden Flächen für eine ganzjährige Tierhaltung zu klein oder gewisse Naturschutzflächen sollen zeitlich beschränkt beweidet werden. ProSpecieRara wird immer wieder angefragt, ob die Stiftung selber Herden temporär zur Verfügung stellen kann, was leider nicht möglich ist.

Mögliche Modelle sind:

  • Man schafft sich selber Tiere für seine zu pflegende Flächen an. Bei der Tiervermittlung hilft: www.tierische-raritäten.ch.
  • Man sucht einen lokalen Tierhalter, der Tiere anschafft oder bereits Tiere hat, die er zur Verfügung stellen kann.
  • Man engagiert Firmen/Betriebe, die Landschaftspflege mit ProSpecieRara-Tierherden anbieten, wie z.B.  «Naturpflege» (www.natur-pflege.ch).