In der Rettung des Schwarzen Alpenschweines ist ein weiterer Meilenstein erreicht: Mittels Verfügung hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) das Schwarze Alpenschwein als Schweizer Rasse festgestellt.
Damit wurde anerkannt, dass das Schwarze Alpenschwein seine Ursprünge in der Schweiz hat. Grundlage dafür ist ein ausführliches Dossier, das diesen Ursprung belegt und die Geschichte dieser Schweine nachzeichnet. Erarbeitet wurde das Dossier von Hape Grünenfelder, dem Gründer von ProSpecieRara und Initiator der Alpenschweinzucht in der Schweiz bei PatriMont Schweiz. Auch ProSpecieRara half bei der Zusammenstellung des Antrags ans BLW mit. Wir freuen uns sehr, dass das Schwarze Alpenschwein nun offiziell als Schweizer Rasse gilt!
Das Schwarze Alpenschwein, das nicht nur einfarbig schwarz auch einfarbig rot oder golden sowie weiss-schwarz oder golden-schwarz-gefleckt vorkommt, war in der Schweiz leider ausgestorben. Früher gab es nicht nur im Mittelland, sondern auch im gesamten Schweizer Alpenraum lokale Schweineschläge. Im 19. Jahrhundert beschreiben verschiedene Quellen die an die Bedingungen im Schweizer Alpenraum angepassten Freiburger, Bündner, Walliser, Bündner Oberländer, Tessiner (Blenio) und Appenzeller Schweine. Diese Alpenschweine waren leicht und hochbeinig und durch den kurzen Rumpf gut an steiles Gelände angepasst. Postkarten und Fotos dokumentierten viele solcher Schweine in verschiedenen Farben im gesamten Schweizer Alpenraum bis ca. 1930. Diese wurden sodann mehr und mehr vom Edelschwein verdrängt. Im Peiltal bei Vals fotografierte Jürg-Paul Müller, der spätere Direktor des Bündner Naturmuseums in Chur bis 2010, im Jahr 1964 ein rotes Schwein auf der Wallatsch Alp, vermutlich ein rotes Blenio-Schwein. Der letzte bekannte Nachweis solcher Alpenschweine ist ein Foto ca. aus dem Jahr 1980 bis 1982, das Bündner Schweine, eine schwarze Sau und ein schwarzes Jungtier mit einem gefleckten Kopf beim Splügenpass auf der italienischen Andossi Alp zeigt. Obwohl damals schon die ersten Aktivitäten und Suchaktionen von ProSpecieRara in der Schweiz stattfanden, wurden solche Schweine übersehen oder nicht gefunden.

Glücklicherweise überlebten in Norditalien in der Nähe der Schweizer Grenze noch letzte Gruppen. In Berbenno im Veltlin wurden 2013 vom italienischen Tierarzt Alessio Zanon eine letzte Gruppe schwarzer und schwarz-gefleckter Veltliner/Bündner-Schweine gefunden. Darauf wurde intensiv weitergesucht. Im Gebiet Chiavenna wurde eine Gruppe gefleckter Bergeller-Klevner-Schweine (Samolaco-Typ) gefunden und später noch gefleckte Ultner Schecken aus St. Gertraud im Ultental im Südtirol. Diese Schweine wurden markiert und fortan im Herdebuch als Schwarzes Alpenschwein gezüchtet, das vom alpinen Netzwerk Pro Patrimonio Montano (PatriMont) geführt wird. Mit der Verpaarung der unterschiedlichen Reliktpopulationen traten auch rote oder rot-schwarz-gefleckte Tiere auf, wie es sie früher im zentralen Alpenraum der Schweiz vom Berner Oberhasligebiet bis ins Bündner Oberland (Surselva) und ins Bleniotal gab. Die ersten Zuchtschweine wurden 2016 nach Österreich gebracht, nach aufwändigen Abklärungen, Gesundheitstests und Quarantäne konnten 2018 auch Zuchtschweine in die Schweiz gebracht werden. Seither werden diese Alpenschweine auch in der Schweiz wieder gezüchtet und von PatriMont Schweiz als Zuchtverein betreut.

Die Rasse wird als länderübergreifende Rasse («transboundary breed») betrachtet, da sie auch in Italien und Österreich gezüchtet wird. Aktuell werden aber keine Zuchttiere ausgetauscht, weil der Grenzübertritt von lebenden Schweinen aufgrund der sanitarischen Anforderungen aufwändig ist. Die Anerkennung als italienische Lokalrasse läuft derzeit auch in der Lombardei und auch in Österreich soll das Gesuch zur Anerkennung als österreichische Rasse gestellt werden. Wir drücken den Züchterinnen und Züchtern in Italien und Österreich die Daumen, dass die Anerkennung als Lokalrasse dort ebenfalls klappt!

