Gedanken zum internationalen Jahr der Weiden und Weidewirtschaft 2026
Auf Antrag der Mongolei hat die UNO-Generalversammlung das Jahr 2026 zum internationalen Jahr der Weiden, Weidewirtschaft und Hirten ausgerufen. Dieses Jahr soll die weltweite Bedeutung der angepassten und nachhaltigen Bewirtschaftung von Weideflächen unterstreichen. Mehr als die Hälfte der weltweiten Landfläche ist Weideland und lässt sich vielfach nicht anders nutzen als durch die Beweidung mit grasfressenden Tieren wie Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden, Eseln, Kamelen, Dromedaren, Büffeln, Yaks, Lamas, Alpakas und Rentieren. Extensive Weidewirtschaft sichert den Lebensunterhalt und die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen weltweit. Auf Wiesen und Weiden produzieren Tierhaltende, Hirten und Hirtinnen Nahrungsmittel, schaffen Arbeitsplätze und erhalten vielfältige Lebensräume für Wildtiere und Pflanzen, aber auch für unsere Nutztiere. Dürren, Überschwemmungen, die Zerstörung von Ökosystemen, Tierkrankheiten, der Druck auf die Böden und ein zunehmend unvorhersehbares Klima beeinträchtigen jedoch die wirtschaftliche Produktivität der Weidewirtschaft. Für eine nachhaltige, wirtschaftliche und widerstandsfähige Weidewirtschaft braucht es gesunde Weideflächen und an diese angepasste Bewirtschaftungsweisen, angepasste Tiere, gute Arbeitsbedingungen für Hirten, Hirtinnen und Tierhaltende sowie faire und entwickelte Wertschöpfungsketten.
Gesunde Weideflächen und angepasste Bewirtschaftungsweisen
Während andernorts, wie im Sahel-Sahara-Gebiet, die Überweidung die Wüstenbildung verstärken kann, ist in der Schweiz eher eine Unternutzung gewisser Flächen im Berg- und Alpgebiet festzustellen. Verwalden Flächen vollständig, sinkt die Biodiversität und weniger Weidefutter ist vorhanden, darum ist die Offenhaltung durch die Beweidung mit genügend Schafen, Ziegen und Kühen wichtig. Mit der zunehmenden Präsenz von Grossraubtieren ist auch der Herdeschutz durch Zäune und Herdenschutzhunde von zunehmender Bedeutung. Durch die richtige Weideführung profitieren sowohl Natur als auch Tierhaltende. Weiter gehört die Alpwirtschaft, eine Form der Transhumanz zwischen Höhenstufen, auch zum kulturellen Erbe der Schweiz.
Angepasste Tiere
Nicht jede Tierart und jede Tierrasse kommt mit den Bedingungen an einem Ort gleich gut zurecht. Tiere von Lokalrassen wurden über eine längere Zeit unter den örtlichen klimatischen Bedingungen, mit der vorhandenen Futtergrundlagen und der üblichen Bewirtschaftungsweise gezüchtet. So entstanden lokal angepasste Rassen, die auch unter extensiver Haltung, d.h. ohne viel Inputs wie Zusatzfutter oder aufwändige Pflege eine anständige Leistung haben. Fast jede Region hat also ihre angepasste Rasse oder ihren angepassten Landschlag. Tragen wir deshalb Sorge zu unserer Nutztierbiodiversität und erhalten lokale Rassen wie das Rätische Grauvieh, das Engadinerschaf, das Walliser Landschaf, die Stiefelgeiss und die Nera Verzasca Ziege.
Gute Bedingungen für Hirten und Tierhaltende
Die Motivation für und die Freude an der Weidewirtschaft und den Weidetieren ist wichtig, damit Hirten, Hirtinnen und andere Tierhaltende trotz langen Arbeitstagen und körperlichem Einsatz weitermachen möchten. Hier braucht es sowohl den politischen als auch gesellschaftlichen Willen, die Weidewirtschaft und ihre Rolle zu respektieren und zu fördern.
Faire und entwickelte Wertschöpfungsketten
Die Weidehaltung funktioniert nur, wenn die Tierhaltenden auch faire und vorhandene Absatzkanäle für ihre Tiere und deren Produkte haben, die den Mehrwert durch die Weidehaltung auch berücksichtigen. Hier greift das von ProSpecieRara propagierte Konzept der «Erhaltung durch Nutzung». Produkte von ProSpecieRara-Gütesiegelbetrieben finden man auf der «Karte der Vielfalt».
Zu Besuch bei lokal angepassten Rassen an den «Tagen der offenen Weiden»
Wer mehr wissen möchte über die lokal angepassten Rassen und die Weidewirtschaft, kann die «Tage der offenen Weiden» besuchen und sich direkt bei den Tierhaltenden und Tierzüchter:innen über ihre Form der Weidetierhaltung informieren. Die «Tage der offenen Weiden» finden an mehreren Daten über das ganze Jahr 2026 verteilt statt. Verschiedene Weiden schweizweit sind offen für interessierte Besucher:innen und die Tiere können direkt auf der Weide beobachtet werden. Die meisten «Tage der offenen Weiden» sind kostenlos und ohne Anmeldung, wobei wir um Verständnis bitten, dass teilnehmende Betriebe sich aus organisatorischen Gründen für eine (kostenpflichtige) Anmeldung entscheiden können. Details über die einzelnen Veranstaltungen sind auf unserem Veranstaltungskalender zu finden.
Folgende Tage der offenen Weiden sind geplant:
- Tage der offenen Winterweiden: Samstag, 14. & Sonntag, 15. Februar
- Tage der offenen Frühlingsweiden:
- Samstag, 18. & Sonntag, 19. April
- Pfingstsamstag, 23. & Pfingstsonntag, 24. Mai
- Tage der offenen Sommer- und Alpweiden:
- Samstag, 27. & Sonntag 28. Juni
- Samsatg, 8. & Sonntag, 9. August
- Samstag, 29. & Sonntag, 30. August
- Tage der offenen Herbstweiden:
- Samstag, 19. & Sonntag, 20 September
- Samstag, 24. & Sonntag 25. Oktober
