Politik & Internationales Schweizer Nutzpflanzenvielfalt weiterhin unter Druck

Wie steht es um die Vielfalt unserer Kulturpflanzen? Eine neue Studie zeigt erstmals umfassend: Die Agrobiodiversität in der Schweiz ist heute insgesamt gut abgesichert – doch ohne kontinuierliches Engagement drohen rasch Verluste und es braucht noch mehr Anstrengungen, um die Vielfalt auf die Felder zu bringen.

Die Vielfalt von Kulturpflanzen und ihren Sorten ist eine zentrale Grundlage für eine nachhaltige Landwirtschaft. Sie sorgt für stabile Erträge, stärkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimawandel, Krankheiten und extremen Wetterereignissen – und bildet die Basis für die Züchtung zukünftiger Sorten. Gleichzeitig ist sie entscheidend für eine vielfältige und gesunde Ernährung. 

Ein Pilotprojekt der Schweizerischen Kommission für die Erhaltung von Kulturpflanzen (SKEK) und der Stiftung ProSpecieRara, unterstützt durch das Bundesamt für Landwirtschaft, liefert nun erstmals ein detailliertes Bild: Auf Basis von 15 Indikatoren wurde die Situation der Nutzpflanzenvielfalt in der Schweiz umfassend analysiert. 

Erfolge dank gemeinsamer Anstrengungen

Die Ergebnisse zeigen: Dank des Engagements zahlreicher öffentlicher und privater Akteure, eines gut funktionierenden Netzwerks sowie der Unterstützung durch den Bund[1] ist die Nutzpflanzenvielfalt heute insgesamt gut abgesichert. In Genbanken und Sammlungen werden zehntausende Akzessionen erhalten, und tausende Sorten sind für Anbau und Nutzung verfügbar.

Auch bei der nachhaltigen Nutzung sind positive Entwicklungen sichtbar: Nischenkulturen wie Emmer, Lupinen oder Lein haben in den letzten Jahren deutlich an Anbaufläche gewonnen, und neue, an die Schweizer Landwirtschaft angepasste Sorten werden weiterhin gezüchtet.

Handlungsbedarf bleibt hoch

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass die Erhaltung der Agrobiodiversität keine abgeschlossene Aufgabe ist. So ist rund ein Drittel der wichtigsten wilden Verwandten unserer Nutzpflanzen bedroht – dabei sind gerade sie eine unverzichtbare genetische Ressource für die zukünftige Züchtung.

Zudem konzentriert sich der Anbau vieler Kulturen stark auf wenige Sorten. Bei zentralen Ackerkulturen dominieren oft nur eine Handvoll Sorten den Grossteil der Anbaufläche. Dies erhöht die Anfälligkeit des Systems und verringert seine Anpassungsfähigkeit.

Auch im Bereich Züchtung zeigt sich eine rückläufige Entwicklung: Die Zahl der bearbeiteten Pflanzenarten sowie die eingesetzten personellen Ressourcen sind in den letzten Jahren gesunken. Gleichzeitig fehlt es insbesondere für Fachpersonen an Aus- und Weiterbildungsangeboten im Bereich Agrobiodiversität.

Vielfalt braucht langfristige Investitionen

Um die Nutzpflanzenvielfalt langfristig zu sichern und besser zu nutzen, sind zusätzliche Anstrengungen notwendig. Dazu gehören die bessere Dokumentation und Beschreibung von Sorten, die gezielte Förderung des Anbaus vielfältiger Kulturen sowie Investitionen in Bildung, Koordination und Kommunikation.

Die Studie macht deutlich: Vieles ist erreicht – doch die Zukunft der Agrobiodiversität hängt davon ab, ob das bestehende Engagement weitergeführt und gezielt ausgebaut wird. Nur so bleibt die Landwirtschaft auch künftig resilient, anpassungsfähig und vielfältig.

Weitere Informationen

Die vollständige Studie «Vom Zustand der Schweizer Agrobiodiversität» ist hier verfügbar.

Eine Kurzfassung findet sich hier (Link folgt am 16.4.26)

Über ProSpecieRara und SKEK

Die Stiftung ProSpecieRara setzt sich für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung gefährdeter Nutzpflanzen und Nutztiere ein. Der Verein SKEK ist ein Netzwerk von Organisationen und koordiniert nationale Aktivitäten zur Sicherung pflanzengenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft in der Schweiz.

Medienkontakte für weitere Informationen:


[1] über den Nationalen Aktionsplan zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft