Beeren

Bis vor gut 200 Jahren wurden in der Schweiz Beeren noch in Wald und Hecken gesammelt. Erst Ende des 18. und vor allem im 19. Jahrhundert hielten sie verbreitet Einzug in unseren Gärten.

In Frankreich und England wurden schon ab dem 14./15. Jahrhundert Auslesen von Wildbeerenbeständen in Gärten gepflanzt – darunter rote Waldhimbeeren, Johannisbeeren, Walderdbeeren und Moschuserdbeeren – wodurch die Entwicklung von Kulturformen in Europa ihren Lauf nahm. Bald darauf begann auch in Deutschland die Entwicklung von Beerensorten. Die heute beliebten grossfruchtigen Gartenerdbeeren entstanden erst später aus einer Kreuzung zweier amerikanischer Erdbeerarten.

Kulturgeschichte in der Schweiz
Die Kulturgeschichte der Beeren hierzulande ist verhältnismässig jung; die ersten Schweizer Sorten sind relativ spät gezüchtet worden. Erst um 1920 begann die Eidgenössische Forschungsanstalt Wädenswil mit der professionellen Züchtung von Erdbeeren und Himbeeren. Vorher wurden aber bereits zahlreiche ausländische Beerensorten eingeführt, die teilweise grosse Bedeutung erlangt haben. So z.B. die ’Madame Moutôt’, eine 1906 in Frankreich gezüchtete Erdbeersorte, die bis in die 1960er-Jahre bei uns eine Hauptsorte im Erwerbsanbau und in Hausgärten war.

Erdbeeren und Himbeeren können aufgrund ihrer schnellen Entwicklungszyklen züchterisch effizient weiterbearbeitet werden, wodurch in kurzen Zeitabständen neue Sorten entstehen. Die Zuchtziele: höhere Erträge, neue Resistenzen, gleichförmigere Früchte, bessere Transport- und Lagerbarkeit. Auf der Strecke bleibt dabei oft der Geschmack. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich nur wenige Sorten 30 Jahre und länger im Markt behaupten können, die meisten verschwinden nach kurzer Zeit wieder und werden durch Neuzüchtungen ersetzt. Selbst die erfolgreiche Erdbeersorte ’Wädenswil 6’, die heute noch in Hausgärten angepflanzt wird, droht in Vergessenheit zu geraten.

Aufwändige Erhaltungsarbeit
Ende der 1990er-Jahre machte sich ProSpecieRara mittels Medienaufrufen auf die Suche nach den verbliebenen Beerensorten. In der Folge wurden hunderte von alten Herkünften eingeschickt, als Herzstück die umfangreiche Stachelbeersammlung von Peter Hauenstein in Rafz. Kurz darauf lancierte der Bund das Schweizerische Obst- und Beerensorteninventar, welches zahlreiche weitere Sorten zutage förderte. Alle gefundenen Sorten sowie zusätzliche Referenzsorten, über 500 sind es zurzeit, werden seither von ProSpecieRara in einer Vergleichssammlung angebaut, abgesichert und dokumentiert. In einem anspruchsvollen und langwierigen Prozess versuchen wir, die wiedergefundenen, meist namenlosen Beeren bekannten Sorten zuzuordnen.

Ein Teil der Beerensammlung, die Nationale Beerensammlung in Riehen/BS, ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Jeweils von Mitte Mai bis Mitte Juni jeden Samstagvormittag kann dort die Beerenvielfalt auf Führungen entdeckt werden. Selbstverständlich dürfen Sie dabei auch naschen – Sie werden die aromatischen Vorzüge vieler alter Sorten sofort bemerken ...

Kontakt

Claudio Niggli
Projektleiter Beeren
Tel +41 61 545 99 17

Wissen

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