Der St. Bernhardshund oder Bernhardiner, ursprünglich als Rettungshund von den Mönchen am Grossen St. Bernhard eingesetzt, gilt als Schweizer Nationalhund und zählt zu den grössten Hunderassen der Welt. Sein berühmtester Vertreter, Barry, soll der Legende nach über 40 Menschen das Leben gerettet haben.
Auf der Passhöhe des Grossen St. Bernhard auf 2473 m über Meer hielten Augustiner-Chorherren seit der Mitte des 17. Jahrhunderts grosse Berghunde zur Bewachung und zum Schutz des Hospizs, aber auch als Rettungshunde für in Schnee und Nebel verirrte Reisende. Dank Berichten über Gerettete wurde der Ruf des Bernhardiners – dazumal «Barry-Hund» genannt – über ganz Europa verbreitet, und der legendäre Barry (1800-1814), der auch über 200 Jahre nach seinem Tod im Naturhistorischen Museum Bern besucht werden kann, wurde zum Urbild des Rettungshundes.
Die direkten Vorfahren des St. Bernhardshunds waren die in der Gegend weit verbreiteten grossen Bauernhunde, welche in wenigen Generationen, nach einem festgelegten Idealtyp, zur heutigen Rasse gezüchtet wurden. 1884 wurde das «Schweizerische Hundestammbuch SHSB» eröffnet; die allererste Eintragung war ein Bernhardiner namens Léon, und die weiteren 28 Eintragungen betrafen ebenfalls Bernhardiner. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gilt der Bernhardiner als Schweizer Nationalhund.
Freundliches, ausgeglichenes Wesen
Beim Bernhardiner existieren zwei Varietäten des Fells: Kurzhaar (Stockhaar) und Langhaar. Mit seiner beachtlichen Widerristhöhe von 65 bis 80 cm bei Hündinnen und 70 bis 90 cm bei Rüden zählt er zu den grössten Hunderassen der Welt. Seine Gesamterscheinung ist erhaben, er hat einen kräftigen Körper und einen imposanten Kopf. Die Grundfarbe des Bernhardiners ist weiss mit Rotbraun.
Im Wesen ist er freundlich und hat ein ruhiges bis lebhaftes Temperament. Er ist ein ausgeglichener Hund, der Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Der Bernhardiner kann durchaus ein «Dickkopf» sein und Befehle wissentlich überhören. Dennoch ist er zuverlässig und gutmütig auch gegenüber Fremden, allerdings hat er einen wachen Beschützerinstinkt.
Einsatz als Sozial- statt Rettungshund
Dank ihrem Charakter und ihrer freundlichen Art werden viele Bernhardiner heute als Sozial- oder Therapiehund eingesetzt. Doch trotz seiner Unkompliziertheit und ruhigen Art braucht der Bernhardiner eine konsequente Erziehung und Sozialisation. Schon nur aufgrund seiner Grösse und Kraft ist er kein Anfängerhund. Auch wenn viele Bernhardiner Streicheleinheiten lieben und zum Kuscheln einladen, gehören sie niemals unbeaufsichtigt in unerfahrene Hände oder alleine zu Kindern. Und auch wenn sich ihr Bewegungsdrang in Grenzen hält, benötigen sie täglich ausreichend Auslauf und Beschäftigung. Eine enge Stadtwohnung mit vielen Treppen ist für die Haltung nicht geeignet.
Ein Bernhardiner überrascht, trotz seiner Grösse und seines Gewichts, immer wieder mit einer hohen Trittsicherheit in unwegsamem Gelände. Obwohl er heute nicht mehr als Rettungshund eingesetzt wird, ist er nach wie vor ein guter und treuer Begleiter in der Bergwelt.
