Engadinerschaf

Die Engadinerschafe punkten mit hoher Fruchtbarkeit und gleichen mit einer überdurchschnittlich hohen Anzahl Lämmer pro Jahr ihre geringere Mastfähigkeit aus. Dazu überzeugt die traditionelle Rasse mit guter Widerstandskraft und ihrem zutraulichen Wesen.

Bereits im späten Mittelalter brachten italienische Schäfer Schafe, die dem heutigen Bergamaskerschaf glichen, in die Ostalpen der Schweiz. Diese vermischten sich dort mit lokalen, den urtümlichen Steinschafen ähnlichen Tieren zu einem Schlag, der den heutigen Engadinerschafen sehr nahe kam und wohl als Ursprung dieser Rasse angesehen werden kann. Schon früh wurden die Schafe im Engadin als grosse, mischwollige Tiere mit Ramsnasen und Hängeohren beschrieben, die sich auffallend geschickt und trittsicher im Berggelände bewegten. Diese während Jahrhunderten in der Region verwurzelten Schafe wurden jedoch trotz ihrer Vorzüge im Zuge der Rassenbereinigung ab 1938 immer mehr vom Weissen Alpenschaf verdrängt. Ihre Bestände nahmen bedenklich ab und erholten sich erst dank des Engagements von ProSpecieRara gegen Ende des 20. Jahrhunderts wieder. Die Gründung des Schweizerischen Engadinerschaf-Zuchtvereins 1992 gab der Rasse zusätzlichen Aufwind.

Unkompliziert in Haltung und Charakter
Die unbehornten Engadinerschafe sind leicht zu erkennen: Sie tragen die typischen Hängeohren, eine ausgeprägte Ramsnase und sind vergleichsweise gross. Heute ist der fuchsbraune Farbschlag am häufigsten, aber auch schwarze Tiere trifft man hie und da an. Ihre Klauen sind äusserst widerstandsfähig, Krankheiten wie Moderhinke und Klauenfäule sind für die Züchter*innen praktisch ein Fremdwort. Die Fruchtbarkeit der Engadinerschafe ist legendär, eine Aue kann pro Jahr problemlos bis zu 3 Lämmer zur Welt bringen. Dies wird nicht nur durch häufige Mehrlingsgeburten begünstigt, sondern auch durch die Asaisonalität der Tiere und dadurch, dass die Zeitspanne zwischen zwei Geburten mit nur 7-8 Monaten sehr kurz ist. Die Tiere werden von ihren Halter*innen als zutraulich und pflegeleicht beschrieben, mit einem aufmerksamen und freundlichen Wesen.

Sowohl Hobby- als auch Profischaf
Das Engadinerschaf zeigt unter extensiven Bedingungen eine respektable Milchleistung, was sich in der problemlosen Aufzucht von Mehrlingsgeburten widerspiegelt. Die Eignung als Milchschaf geriet in Vergessenheit, so dass heute kaum mehr Engadinerschafe gemolken werden und das Hauptmerkmal auf der Gewinnung von Lammfleisch liegt. Dieses ist vergleichsweise fettarm und feinfaserig, was es zu einer beliebten Delikatesse macht. Die Betreuung der Engadinerschafe ist dank ihres gesunden Naturells nicht sonderlich aufwändig und sowohl für Hobbyhalter*innen wie auch für professionelle Schafhalter*innen lohnenswert. Ihre Robustheit und Genügsamkeit macht die Engadinerschafe zudem zu verlässlichen Partnern für die Beweidung von extensivem oder schwer zugänglichem Gelände in der Landschaftspflege.


Bestandesentwicklung

  • steigend

Nutzung

  • Fleisch
  • Wolle

Zuchtziele

  • Widerstandskraft, hohe Lebensdauer
  • Fruchtbarkeit
  • Gute Aufzuchteigenschaften und Milchproduktion
  • Mittlere Mastfähigkeit
  • Mittlere bis grobe Wolle

Masse und Gewichte

Widerristhöhen
Auen 65-75 cm
Widder 75-83 cm

Gewichte
Auen 60-85 kg
Widder 80-125 kg

Partnerorganisation

Der Schweizerische Engadinerschaf-Zuchtverein führt das Zuchtbuch für die Engadinerschafe und ist als nationaler Rasseverein organisiert.

Schweizerischer Engadinerschaf-Zuchtverein (SEZ)
Präsident:
Daniel Müller
Neue Zelgstrasse 42
2544 Bettlach
032 645 04 06, dmuellerpini(at)gmail.com
www.engadinerschaf.ch

Tiervermittlung

Engadinerschafe suchen und anbieten auf:
www.tierische-raritäten.ch


Wissen

Mit Engadinerschafen gegen die Verbuschung der Alpen