Schwarzes Alpenschwein

Einst gab es über den ganzen Alpenbogen verteilt verschiedene, vom Typ her ähnliche Bergschweine, von denen nur wenige überlebt haben. 2013 startete ein Rettungsprojekt, das die verschiedenen Schläge als «Schwarzes Alpenschwein» fördert.

Im Alpengebiet waren einst robuste, äusserst berggängige und kräftige Schweine gefragt. Es entwickelten sich verschiedene Alpenschweine, die mit ihrem eher kurzen Körpern und ihren langen Beinen gut an die steilen Berggebiete angepasst waren: schwarze und schwarz gefleckte Bündner Schweine, auch Veltliner und Tessiner Schweine genannt, sowie gescheckte Samolaco und Südtiroler Schweine gehörten zu dieser Vielfalt. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft verschwanden die klassischen Alpenschweine komplett vom Schweizer Boden.

2013 stiessen Vertreter der Universität Parma auf die letzten Veltliner Schweine und starteten zusammen mit dem Netzwerk Pro Patrimonio Montano (PatriMont), welche sich länderübergreifend für die genetische Vielfalt in der Alpenwelt einsetzt, ein Rettungsprojekt. Im Rahmen dieses Projekts stiess man auch auf einige Samolaco und Südtiroler Schweine. Weil jedoch nur noch wenige lebende Tiere vorhanden waren, entschlossen sich die Projektpartner, alle noch zuchtfähigen Tiere in einem gemeinsamen Programm – und damit in einem gemeinsamen Genpool – zu erhalten. Als «Schwarzes Alpenschwein» und somit als Kompositrasse lebt die alte Genetik der Bergschweine und somit auch ein Teil der ursprünglichen Tessiner und Bündner Schweine weiter und widerspiegelt sich in den unterschiedlichen Färbungen der heutigen Tiere von schwarz, über schwarz-weiss bis dunkelrot.

Gegen Sonnenbrand gefeit
Schwarze Alpenschweine sind Weideschweine, die durch viel Bewegung und extensive Fütterung qualitativ hochwertiges, gut marmoriertes Fleisch liefern. Anders als heute als «Alpschweine» bezeichnete, auf Alpen (meist in Ställen) gehaltene Edelschweine, die vor allem mit Molke aus der Käseherstellung gemästet werden, können Schwarze Alpenschweine auch Raufutter und für die klassische Beweidung von Milchvieh weniger geeignete Vegetation verwerten. Ihre durch Pigmentierung und Borstenkleid gute Sonnenbrandresistenz ist ein weiterer Pluspunkt für die ganztägige Weidehaltung im Berggebiet.   

Wiederansiedlung in der Schweiz am Laufen
Im Rahmen des Rettungsprojekts von PatriMont konnten Ende Sommer 2018 neun Zuchttiere, drei Eber und 6 Sauen, importiert, auf vier Betriebe verteilt und damit im Schweizer Alpengebiet wieder angesiedelt werden. 2019 kamen auf Schweizer Boden wieder Ferkel zu Welt und ProSpecieRara nahm das Schwarze Alpenschwein auf seine Rassenliste.

Schwarze Alpenschweine gehören ins Berggebiet. Patrimont nimmt dazu folgende Haltung ein: «Das schwarze und gescheckte Alpenschwein soll in seinem ursprüglichen Verbreitungsgebiet (zentraler und östlicher Alpenraum) wieder heimisch gemacht werden. Um seine Qualitäten wie Robustheit, Genügsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Bergtauglichkeit zu bewahren, muss es unter Bergbedingungen gehalten werden. Bei der Auswahl der Zuchtinteressenten wird deshalb darauf geachtet, dass der Betriebssitz bzw. Haltungsstandort im Alpenraum (Gebietskulisse Alpenkonvention) liegt, bevorzugt in Gebirgslagen mit Weidegang während der Vegetationsperiode oder mit Alpungsmöglichkeit.»

Bestandesentwicklung

  • Wiederangesiedelt 2018, im Aufbau

Nutzung

  • Fleisch
  • Landschaftspflege

Zuchtziele

  • Spätreife, anspruchslose Freilandrasse mit guter Raufutterverwertung und hochwertige Fleischqualität (Omega-n3 Fettsäuren)
  • Widerstandskraft
  • Gute Geländegängigkeit
  • Gute Aufzuchteigenschaften
  • Hohe Lebensdauer

Gewichte
Sauen 130-160 kg
Eber 150-180 kg

Partnerorganisation

Das alpine Netzwerk Pro Patrimonio Montano (PatriMont) leitet das Erhaltungsprojekt und führt das Zuchtbuch für die Schwarzen Alpenschweine und ist als internationales Netzwerk organisiert.

www.patrimont.org

Tiervermittlung

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