Warum wir das Magazin «rara» in Folie verschicken

Es ist kompliziert ...

Plastik hat in der öffentlichen Wahrnehmung zurzeit einen besonders schlechten Ruf. Plastikverpackungen, die im Meer schwimmen und Tiere, die sterben, weil sie daran ersticken, sind Bilder, die zu Recht aufrütteln. Auch ProSpecieRara will Plastik nicht fördern. Aber die Sache mit dem Plastik ist komplizierter, als sie auf den ersten Blick scheint.

Bei der weltweiten Plastikverschmutzung ist das Hauptproblem nebst dem übermässigen Plastikverbrauch ein vielerorts fehlendes oder unzulängliches Abfallmanagement. Die Folie aus Polyethylen (PE), die für Zeitschriftenversände verwendet wird, landet bei uns in der Schweiz bei korrekter Entsorgung durch die Empfänger*innen nicht in der Natur, sondern im Abfall, wo sie in der Kehrichtverbrennung schadstofffrei verbrannt wird. Offenbar sei sie bei den Kehrichtverbrennungsanlagen sogar ein willkommener Energiespender, da ansonsten Öl zugeführt werden müsste, um die Verbrennung zu aktivieren. Letzteres haben wir allerdings nicht selber überprüft.

Mikroplastik: So wird Plastik zum Problem
Plastik wird dann zum Problem, wenn es nicht richtig entsorgt oder wiederverwertet wird. Falsch entsorgter Müll (Zigarettenstummel, generell Littering, Plastikfolien aus der Landwirtschaft etc.) ist eine der Quellen für Mikroplastik. Dieses entsteht unter anderem, wenn Plastik durch Wind, Wetter und die UV-Strahlung zerfällt. Wenn Plastikabfall liegen bleibt, mutiert es früher oder später zu Mikroplastik. Noch mehr Mikroplastik entsteht durch den Abrieb von Autopneus und der auf die Strassen aufgetragenen Farben. Hinzu kommt das sogenannte primäre Mikroplastik: Man findet es in Shampoos, Haarpflege, Zahnpasten, Peelings oder Duschgels – oder als Kunstfasern in Kleidungsstücken.

Siehe hierzu den SRF-Beitrag zu Mikroplastik

Vorschriften und Ökobilanzen
Beim Entscheid, wie unser Magazin «rara» verschickt werden soll, mussten wir postalische Vorschriften erfüllen und die möglichen Versandvarianten prüfen. Bis anfangs 2019 schrieb die Post eine Verpackung für Zeitschriften vor (Publikationen, die auf Zeitungspapier gedruckt werden, sind davon ausgeschlossen). Inzwischen bröckelt diese Vorschrift (siehe weiter unten). Seinerzeit stand für ProSpecieRara als Alternative zur Folienverpackung der Versand in einem Papierkuvert zur Auswahl.
Erstaunlicherweise schneidet die Folienverpackung aber in der Gesamtökobilanz gegenüber dem Versand im Papierkuvert sogar etwas besser ab (unsere Quellen: Ökobilanz von Verpackungsvarianten für das WWF-Magazin, büro für umweltchemie, Michael Pöll, April 2002 sowie hier). Grund: Zwar dient beim Kuvert der nachwachsende Rohstoff Holz als Ressource, doch in der Herstellung wird mehr Energie verbraucht. Zudem ist das Papierkuvert schwerer als die Plastikfolie, wodurch beim Versand mehr CO2 anfällt.

Keine Folie aus nachwachsenden Rohstoffen
Eine Verpackungsfolie aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais- oder Kartoffelstärke wäre zwar rezyklierbar (allerdings sehr langsam!). ProSpecieRara hat diese Variante aber verworfen, weil sie sich kritisch gegen den Anbau von Lebensmitteln stellt, die für die Herstellung anderer Güter verwendet werden. Solche Abläufe können, wie bei den Agrotreibstoffen, dazu führen, dass vor allem in den Ländern des Südens die Preise für Lebensmittel in die Höhe schiessen und gleichzeitig Schäden an der Umwelt entstehen.

Wir prüfen laufend valable Alternativen
Seit anfangs 2019 bröckelt die Vorschrift der Post betreffend Zeitschriftenverpackung auf Druck von Umweltorganisationen. Wir haben aus diesem Grund mit einem Vertreter der Post den sogenannten Offenversand für unser Magazin «rara» geprüft (d.h. einen Versand ohne jegliche Verpackung). Resultat: Grundsätzlich wäre dieser für das ProSpecieRara-Magazin möglich. Da wir aber als spendenabhängige Organisation unserem Magazinversand jeweils einen Spendenaufruf (personalisierter Brief inkl. Einzahlungsscheine) beilegen und diesen vorläufig nicht in separaten Versänden (die zusätzliche Kosten und zusätzliches CO2 verursachen würden) verschicken möchten, brauchen wir eine Verpackung. In der uns vorliegenden Ökobilanz (siehe oben) schneidet die Polyethylenverpackung gegenüber dem Kuvert besser ab.

Aktueller Stand bei ProSpecieRara (April 2019) Aufgrund der uns vorliegenden Nachforschungen haben wir uns entschieden, unser Magazin «rara» bis auf weiteres in der Plastikfolie zu versenden. Die verwendete Schutzfolie aus Polyethylen weist durch ihren geringen Materialverbrauch derzeit die beste Ökobilanz auf.

Ihr ProSpecieRara-Team


Tipp:

Ein sehr sympathischer Tipp hat uns von Niklaus Manser erreicht: Schon seit einiger Zeit schneide ich folienverpackte Sendungen auf der kurzen Seite auf und kann dann die Schutzfolie noch einmal brauchen: entweder als Gemüsesäckli beim Einkauf oder als Schmutzsäckli nach dem Sporttraining.