Eine Samengärtnerei für ProSpecieRara

Beim Schloss Wildegg im Kanton Aargau steht die ProSpecieRara-Samengärtnerei für die professionelle Vermehrung von Gemüse- und Zierpflanzenarten, deren sortenreine Vermehrung besonders aufwendig ist.

Bohnen werden vor Blattläusen, die Viren übertragen können, geschützt angebaut.

Betriebsleiterin Jessica Türler

Betriebsleiterin Jessica Türler mit blühenden Karotten.

Im Estrich werden die geernteten Samenstände trocken gelagert, bis sie am Dreschtag in Basel gedrescht werden.

Im Kaltgewächshaus werden wärmeliebende Arten wie z.B. Gurken, Tomaten oder Auberginen angebaut.

Im Folientunnel gedeihen Arten, deren Samenstände möglichst trocken bleiben sollen. Hier z.B. Zwiebeln, Salat und Fenchel.

Kühlzellen zum Überwintern von Samenträgern

In Kürze
Ergänzend zu den Gärten der vielen ehrenamtlichen Sortenbetreuerinnen und -betreuern fehlten ProSpecieRara bis 2018 Flächen für Gemüse mit grösseren Platzansprüchen wie z.B. Zichoriensalate, Kohle, Kürbisgewächse, Rübengewächse, etc. Besonders bei den Fremdbefruchtern sind grössere Flächen nötig, damit eine Selektion von Samenträgern aus grösseren Individuenzahlen möglich wird.

Bei einigen Partnerbetrieben von ProSpecieRara wird dies mittlerweile zwar schon seit einigen Jahren realisiert. Die Möglichkeit für eine ProSpecieRara-eigene Samenvermehrung als wichtige Ergänzung der vorhandenen, professionellen Betriebe hatte jedoch lange gefehlt.

Dank der neuen Samengärtnerei beim Schloss Wildegg im Kanton Aargau stehen ProSpecieRara nun neue Möglichkeiten zur Verfügung. Der Betrieb startete mit einer Stellenbesetzung von 60%; mit weiteren Mitteln könnte dieses Pensum angehoben werden.

Möchten Sie zum Gelingen der neuen Samengärtnerei beitragen? Wir sind auf Spenden angewiesen und freuen uns über Ihre Unterstützung. Weiter ist der Betrieb auf die Unterstützung von freiwilligen Helfenden angewiesen, die in den Sommermonaten mit anpacken möchten.

ProSpecieRara werden immer wieder Sammlungen gemeldet, die gefährdet sind. Dank der neu geschaffenen Samengärtnerei haben wir Flächen, die eine spontane Aufnahme und kurzfristige, schnelle Absicherung von Pflanzen ermöglichen. Damit erhalten wir mehr Zeit, um einen Platz für die langfristige Bewahrung der Pflanzen zu finden.

Produktion
Unsere Samengärtnerei bietet zudem die Möglichkeit, in kleinem Umfang Jungpflanzen für den Direktverkauf zu produzieren. Wir können nun gezielt Neueinführungen von Sorten für unsere Setzlingsmärkte testen.

Ausbildung
Auch praktisches Mitarbeiten wird besser möglich. Angehenden Sortenerhalter*innen wird am besten praxisnah an den Pflanzen vermittelt, wie sie praktische Selektionsarbeit durchführen, Pflanzen pflegen, Samen ernten, Pflanzen teilen und vieles mehr können. Bei den ProSpecieRara Partnerbetrieben können diese Schritte auch demonstriert werden, aber es ist dort nicht möglich, selber Hand anzulegen – ganz im Gegensatz zur neuen Samengärtnerei.

Die Samengärtnerei ist seit März 2019 personell besetzt. Im Winter 19/20 wurden einige bauliche Massnahmen umgesetzt, die für die zuverlässige Vermehrung nötig sind. Die zwei bestehenden Gewächshäuser wurden renoviert, Stützmauern zur Vergrösserung der Anbauflächen gebaut, ein neues Folien-Kalthaus für wärmeliebende Gewächse erstellt und Kühlzellen zur Überwinterung von Samenträger installiert.

Die bestehende Gärtnerei wurde bisher kaum zur Samenvermehrung genutzt – die neue Ausrichtung und Nutzung, der Neuaufbau der Gärtnerei sind daher Pionierarbeiten in allen Belangen.

Steckbrief

Erhaltungsprojekt
2019

Betrieb einer kleinen Samengärtnerei zur jährlichen Vermehrung von 25-30 Gemüse- und Zierpflanzensorten. Kompetenzbetrieb für die Samenvermehrung von Garten-, Acker- und Zierpflanzen.

Das Projekt wird für die Realisierungsphase mit Unterstützung der Ernst Göhner Stiftung, der Hauser-Stiftung in Weggis, der Karl Näf Stiftung, dem Swisslos-Fonds Aargau, weiterer Sponsoren und mit Spendengeldern finanziert. Die Saatgutarbeit kann dank Unterstützung der Hauser-Stiftung und Vermehrungsaufträgen des Bundesamts für Landwirtschaft durchgeführt werden.

Die Bauarbeiten wurden im Frühling 2020 abgeschlossen, die neuen Flächen können nun voll genutzt werden.

Philipp Holzherr
Bereichsleiter Garten-, Acker- & Zierpflanzen
Telefon +41 61 545 99 23

Ein herzliches Dankeschön an unsere Projektsponsoren: