Die Beerendetektei

Beerensorten sind schlecht dokumentiert und Fachpersonen für die Sortenbestimmung rar. In den Sammlungen von ProSpecieRara finden sich daher viele namenlose Beeren, die in aufwendiger Detektivarbeit identifiziert werden.

In Kürze
Die Beeren sind eine Kulturpflanzengruppe, bei der die genetische Vielfalt in besonderem Masse gefährdet ist. Ihre Kulturgeschichte ist zwar verhältnismässig jung, dennoch sind die Sorten schlecht dokumentiert. Expertinnen oder Experten für Beerensorten waren schon immer rar. Viele Beerensorten derselben Art sehen sich oberflächlich sehr ähnlich und sind für das ungeübte Auge kaum unterscheidbar. Schon früh ist es deshalb zu Verwechslungen in Baumschulen und auch in Sortensammlungen und Zuchtinstituten gekommen.

Die Kombination aus mangelndem Fachwissen und fehlender Kontrolle zur Sortenechtheit hat zu einer prekären Erhaltungs- und Handelssituation geführt. Weltweit kursieren bei den Johannisbeeren unter demselben Namen oft drei bis vier verschiedene Sorten. In der Literatur wurden viele Sortennamen zusammengefasst, obwohl es sich um eigenständige Sorten handelt. Würde man alle angeblichen Synonyme in der Literatur als korrekt ansehen, setzte man beispielsweise die Hälfte aller dokumentierten historischen Johannisbeerensorten gleich. In der Realität findet man jedoch zahlreiche unterscheidbare Sorten.

Aus diesen Gründen finden sich in den Beerensammlungen von ProSpecieRara im Vergleich zu anderen Sammlungen besonders viele namenlose oder zweifelhaft benannte Beeren-Akzessionen, die noch identifiziert werden müssen.

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Nun gilt es, mithilfe aller verfügbaren Methoden so viele namenlose Beeren-Herkünfte wie möglich zu bestimmen.ProSpecieRara und ihre Partner bringen nur noch Pflanzenmaterial mit bekannten Sortennamen in Umlauf, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit für Sortenechtheit angenommen werden kann. Für manche lokale Auslesen oder Zufallssämlinge existieren keine gültigen Sortennamen, so dass ProSpecieRara diesen einen Sortennamen geben muss.

Methodik
Damit ProSpecieRara die alten Beerensorten unter sortenechten Namen fördern kann, ist viel Grundlagenforschung nötig. Die jahrelange Beobachtung und Beschreibung im Freiland in Kombination mit Genanalysen und intensiven Literaturrecherchen ist der einzige Weg aus dem Sortenlabyrinth. Die internationale Zusammenarbeit mit anderen Sammlungsbetreibern muss zwingend intensiviert werden, damit sortenechte Referenzakzessionen der historisch verbreitetsten Sorten etabliert werden können. Ein genetisches Screening anderer Sammlungen oder – wo möglich – ein Vergleich bestehender Genetik-Resultate wird sehr hilfreich sein.

Die Identifikation und Benennung von alten Sorten ist ein fortlaufender Prozess, der ständig neue Erkenntnisse und Hypothesen liefert. Auch der aktuelle Wissenstand kann punktuell immer wieder hinterfragt werden, z.B. wenn neue historische Dokumente auftauchen oder wenn moderne molekularbiologische Untersuchungs-Methoden entwickelt werden. Zwar werden fortlaufend Duplikate aus den Sammlungen entfernt, teilweise nehmen wir aber auch neue Beerenherkünfte in die Sammlungen auf, die dann benannt oder verifiziert werden sollen.

Steckbrief

Erhaltungsprojekt
1997

Identifikation unbekannter Beerenherkünfte (Sorten, die von verschiedenen Orten zusammengetragen wurden)

Das Projekt ist teilfinanziert. Für den Rest ist das Projekt auf Spenden angewiesen.

Claudio Niggli
Projektleiter Beeren
Telefon +41 61 545 99 17