Sortenerhaltung in Obstgärten

Vom Genfer- bis zum Bodensee gedeihen über 1900 ProSpecieRara-Obstsorten in 155 meist Privatpersonen gehörenden Obstgärten. Diese Sammlungen bilden das Rückgrat der Obstsortenerhaltung von ProSpecieRara.

Die Obstsortenerhaltung von ProSpecieRara geschieht derzeit in 155 ProSpecieRara-Obstgärten. Diese Obstgärten gehören grösstenteils Privatpersonen, welche ihr Herz den raren und traditionellen Sorten und den landschaftsprägenden Hochstammbäumen verschrieben haben. Wichtige Angaben wie z.B. Sorten- resp. Baumstandorte sind in der ProSpecieRara-Datenbank registriert. Jährliche Treffen in den Obstgärten und möglichst regelmässige Kontakte zwischen den Sortenbetreuenden dienen der Qualitätssicherung und dem Informationsaustausch.

Ein Teil der Sammlungen (7 von 155) sind sogenannte NAP-PGREL-Sammlungen. Diese werden im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen (NAP-PGREL) durch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) unterstützt. Sie sind Teil der Nationalen Genbank der Schweiz.

Nebst Personen mit Obstgärten können sich auch solche mit einem kleineren Garten aktiv für die Sortenerhaltung einsetzen. Auf Einzelbäumen sichern wir gerne die ganz seltenen Sorten ab. Hier kommt wirkungsvoll das überlieferte Konzept der Mehrsortenbäume zum Zug. Details siehe unter Rote Liste Obst.

Vor allem Apfelsorten
Die Apfelsorten machen den Löwenanteil aller erhaltenen Obstsorten aus, gefolgt von Birnen-, Kirschen- und Pflaumensorten. Jüngere «Kinder» sind bei uns die Feigen und das Wildobst. Unterdessen geht die vertiefte Weiterbearbeitung anderer Obstarten weiter.

Hochstammbäume sind in der Überzahl
Von zurzeit total 15'438 Bäumen sind 10'215 Hochstammbäume. Bei der Erhaltung der heute selten gewordenen Obstsorten ist ProSpecieRara dem kulturhistorischen Erbe verpflichtet und fördert – wenn immer möglich – Hochstammobstbäume. Sorten auf Niederstammbäumen kommen hauptsächlich dort zum Einsatz, wo Bäume wegen Sortenstudien möglichst rasch Früchte tragen sollen oder wo der Platz beschränkt ist.

Quelle des Austauschs von Sortenwissen
Unsere Sortenerhalter und Sortenerhalterinnen sammeln im Laufe der Zeit einzigartiges Wissen zu den von ihnen betreuten Sorten. Zwar sind die Sorten in der historischen Literatur beschrieben, doch können sie sich unter den heutigen klimatischen Bedingungen anders verhalten als früher oder aber wir schätzen sie heute anders als unsere Vorfahren. Im Austausch der Sortenerhaltenden untereinander und mit uns werden so die Qualitäten einer Sorte besser erfassbar. Alle Informationen führen wir in unserer Obstdatenbank zusammen.

((Logo Bundesamt für Landwirtschaft analog aktuelle Website))

Anzahl der von ProSpecieRara erhaltenen Sorten pro Obstart

Äpfel85345%
Birnen42122%
Kirschen, Sauerkrischen22612%
Zwetschen, Pflaumen1377%
Andere 14%

 

Steckbrief

Erhaltungsprojekt
seit Beginn der Obstsortenerhaltung von ProSpecieRara in den 1980er Jahren

Erhaltung von traditionellen, vom Aussterben bedrohten Obstsorten mit Unterstützung von Ehrenamtlichen in und mit Obstgärten in der ganzen Schweiz

Hauptsächlich mit Spendengeldern, vereinzelt mit Mitteln von Stiftungen; sechs grössere Obstgärten mit Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft

Die Anzahl ProSpecieRara-Obstgärten und die darin abgesicherten Obstsorten sind kontinuierlich angestiegen. Die anfängliche Konzentration auf die Hauptobstarten hat sich ausgeweitet auf verschiedene Nebenobstarten bis hin zum Wildobst. Über unser Projekt Rote Liste Obst sprechen wir gezielt auch Leute mit einem kleinen Garten an.

Gertrud Burger
Bereichsleiterin Pflanzen, Mitglied der Geschäftsleitung
Telefon +41 61 545 99 26