Die tiergenetischen Ressourcen der Schweiz

Die Schweiz hat sich in einem internationalen Abkommen verpflichtet, die Nutztierrassen der Schweiz zu schützen.

Der Begriff «Tiergenetische Ressourcen TGR» umschreibt die Gesamtheit tierischen Lebens, zu dem neben den Wildtierarten auch die Nutztierrassen gehören. Letztere werden als «Tiergenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (TGREL)» bezeichnet.

2007 führte die UNO-Organisation für Nahrung und Landwirtschaft (FAO) in Interlaken die erste internationale technische Konferenz über tiergenetische Ressourcen durch. In der daraus entstandenen Erklärung von Interlaken, die auch die Schweiz unterzeichnet hat, verpflichten sich die Länder, ihre jeweiligen Rassen zu schützen und zu fördern.

Eigene Rassen – gemeinsames Ziel
Jede Nation hat ihre im eigenen Land entstandenen und verankerten Nutztierrassen. Dazu kommen Rassen, deren Verbreitungsgebiet über die Landesgrenze hinaus reicht (grenzüberschreitende Rassen) und Rassen, die nicht nur in ihren Ursprungsländern, sondern auch in anderen Ländern gehalten und gezüchtet werden. Vor allem bei Letzteren tat sich viel in den vergangenen Jahrzehnten. Dass auf Alpweiden Schottische Hochlandrinder grasen, überrascht niemanden mehr und auch Alpakas, Yaks und Bisons bereichern Schweizer Landwirtschaftsbetriebe. Jede weitere, importierte Rasse erhöht die Biodiversität im Land, macht es aber auch schwieriger, unsere ursprünglichen, einheimischen Rassen zu fördern. Denn sowohl die Gesamtzahl der gehaltenen Tiere als auch die Förderbudgets sind nicht unendlich. In Interlaken wurde darum festgehalten, dass es Sinn ergib, dass jedes Land sich im besonderen Masse für seine eigenen, landestypsichen Rassen engagiert. Das verhindert, dass die zur Verfügung stehenden Ressourcen verzettelt werden und damit weniger wirken. Alle Länder zusammen ziehen damit am gleichen Strick, um die Vielfalt der ca. 7'000 Nutztierrassen auf dem ganzen Globus zu erhalten.

Was ist eine Schweizer Rasse?
Bis 2008 definierte das Bundesamt für Landwirtschaft BLW eine Schweizer Rasse als Rasse, die ihren Ursprung in der Schweiz hat oder nachgewiesenermassen seit mindestens 50 Jahren in der Schweiz gezüchtet wird. Dieses rollende Konzept hätte dazu geführt, dass mit der Zeit auch südamerikanische Lamas und deutsche Tauernscheckenziegen als Schweizer Rassen gegolten hätten, was aus den oben genannten Gründen wenig sinnvoll gewesen wäre. 2009 entfernte das BLW den rollenden Passus und legte damit fest, dass als einheimisch gilt, was in der Schweiz entstanden ist.

Die Tiergenetischen Ressourcen der Schweiz sind:

Rinder
Eringer Rind
Evolèner Rind
Schweizer Original Braunvieh
Simmentaler Fleckvieh
Rätisches Grauvieh

Pferde
Freiberger Pferd

Schafe
Braunköpfiges Fleischschaf
Bündner Oberländer Schaf
Engadinerschaf
Saaser Mutte*
Schwarzbraunes Bergschaf
Spiegelschaf
Walliser Landschaf
Walliser Schwarznasenschaf
Weisses Alpenschaf

Ziegen
Appenzellerziege
Bündner Strahlenziege
Capra Grigia
Capra Sempione*
Gemsfarbige Gebirgsziege
Grüenochte Geiss*
Kupferhalsziege*
Nera Verzasca
Pfauenziege
Saanenziege
Stiefelgeiss
Toggenburgerziege
Walliser Schwarzhalsziege

Schweine
Edelschwein
Schwarzes Alpenschwein*
Schweizer Landrasse

Geflügel
Appenzeller Barthuhn
Appenzeller Spitzhaubenhuhn
Schweizerhuhn

Kaninchen
Schweizer Dreifarben Kleinscheckenkaninchen*
Schweizer Fehkaninchen
Schweizer Fuchskaninchen

Hunde
Appenzeller Sennenhund
Berner Sennenhund
Bernhardiner Hund
Entlebucher Sennenhund
Grosser Schweizer Sennenhund

Bienen
Dunkle Biene

* ProSpecieRara zählt diese Rassen aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte und ihrem geografischen Vorkommen ebenfalls zu den Schweizer Rassen und wirkt darauf hin, dass auch sie vom Bund anerkannt werden.