Saatgutpolitik – weshalb?

Um die Biodiversität der Kulturpflanzen erhalten zu können, sind passende politische Rahmenbedingungen unabdingbar. Der Zugang zu genetischen Ressourcen muss für alle möglich sein und darf durch Patente nicht verhindert werden. Alte Sorten müssen frei angepflanzt, getauscht und kommerzialisiert werden dürfen.

Dafür setzt sich ProSpecieRara im Rahmen der Saatgutpolitik ein. Internationale Regeln fordern seit den 1990er-Jahren zudem einen sogenannten «Vorteilsausgleich» zwischen den Nutzern (meist Industrieländer des Nordens) und den Ursprungsländern (meist Entwicklungsländer) der genetischen Ressourcen. Dieser finanzielle Ausgleich soll wiederum der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung zugutekommen. Auch dieser Anforderung kommt ProSpecieRara in ihrer täglichen Arbeit nach.

Damit landwirtschaftliche Biodiversität bewahrt wird und auch weiterhin fortlaufend neu entstehen kann, ist der freie Zugang zu den genetischen Ressourcen (zu Saatgut und Vermehrungsmaterial) elementar. Saatgut in vielen Händen ist vielfaltsfördernd:

  • Züchter*innen brauchen den Zugang, damit sie aus der bestehenden Vielfalt die gewünschten Eigenschaften auswählen und in neue Sorten integrieren können.
  • Landwirt*innen und Gärtner*innen brauchen den Zugang und die Freiheit, die Sorten zu vermehren, zu tauschen und auf den Markt zu bringen, damit sie die Diversität auf dem Feld erhalten und an neue (Klima-)Bedingungen anpassen können.

Um dies zu ermöglichen darf der Umlauf weder durch Geistige Eigentumsrechte, durch Saatgutgesetze noch durch unangemessene phytosanitäre Massnahmen eingeschränkt werden!

Lesen Sie mehr dazu in den weiterführenden Artikeln zu folgenden Themen: Patente auf Saatgut, Biodiversitätskonvention und Nagoya-Protokoll, FAO-Saatgutvertrag, Saatgutverkehrsregelung, Aktionspläne - global und national