Renaissance der Weinbergpfirsiche

Seit dem 16. Jahrhundert hatten Weinbergpfirsiche ihren festen Platz in unserer Kulturgeschichte – bis die Intensivierung des Rebbaus sie verdrängte. Seit 2009 engagiert sich ProSpecieRara für ihre Rettung.

In Kürze
Weinbergpfirsiche sind nicht nur willkommene Vitaminspender aus dem Hausgarten, sondern auch robuste Partner bei der Züchtung. Sie gedeihen überall dort, wo es auch den Reben gefällt. Im Frühjahr bezaubern sie mit ihren zartrosa bis lachsfarbenen Blüten die Gärten und Rebberge. Traditionell werden sie über ihre Kerne vermehrt, sind kleiner als die üblichen Handelssorten und sehr vielfältig: Nebst der Farbe ihres Fruchtfleischs unterscheiden sie sich auch im Geschmack und bezüglich ihrer Verwendbarkeit.

Helfen Sie mit bei der Wiedergeburt dieser schönen Kultur. Pflanzen Sie Weinbergpfirsichsorten oder unterstützen Sie uns mit einer Spende bei der Recherche- und Forschungsarbeit für die Weinbergpfirsiche.

2009 nahm sich ProSpecieRara der selten gewordenen Weinbergpfirsiche an, mit dem Ziel, diese abzusichern und für die Auspflanzung in Gärten verfügbar zu machen. Längst sind noch nicht alle 80 gesammelten Sorten genügend abgesichert, auch ist erst ein Bruchteil davon beschrieben. Es braucht weiteres und längerfristiges Engagement für dieses Kulturgut. Durch das zunehmende Interesse an der Pflanzung von Weinbergpfirsichen in biologischen Rebbergen und im biologischen Produktionsanbau überhaupt erhält das Projekt einen Schwerpunkt in der Selektion von robusten, schmackhaften Sorten oder in der Verwendung als Züchtungspartner. Über unseren Sortenfinder können ProSpecieRara-Gönnerinnen und -Gönner Kerne zur eigenen Anzucht und zur Unterstützung bei der Sortenabsicherung beziehen.

Der «persische Pflaumenbaum»
Die Geschichte des Pfirsichs als Nutz- und Kulturpflanze reicht rund 4000 Jahre zurück. Die frühesten Anbauversuche in seinem Ursprungsland China datieren um 2000 vor Chr. Später breitete sich der Pfirsich westwärts Richtung Iran (daher auch seine wissenschaftliche Namensgebung Prunus persica), Kleinasien und dem Mittelmeerraum aus, wo er dank guter Wachstumsbedingungen seit mehr als tausend Jahren angebaut wird.

Im Laufe der Zeit wurden durch menschliche Auslesen zahlreiche, eher grossfrüchtige Kultursorten für die landwirtschaftliche Produktion geschaffen. Der Pfirsich war aber immer auch geschätzte Begleitkultur in den Weinbergen. Die Rebbauern selektionierten in fast allen Weinbauregionen Europas, also auch in der Schweiz, kleinfrüchtige Sämlinge. Sie zogen jeweils die am besten an den Standort angepassten Sorten über Kerne weiter, und es entstanden verschiedene Weinbergpfirsichsorten. Die Früchte sind vielseitig verwendbar. Eignen sich die hellfleischigen Sorten auch bestens für den Frischverzehr, kommen die Farbe und das besondere Aroma der rotfleischigen Sorten (Blutpfirsiche) vor allem verarbeitet zur Geltung.

Steckbrief

Erhaltungsprojekt
2009

Seltene Weinbergpfirsichsorten der Schweiz sammeln. Verbreitung und Absicherung zusammen mit privaten Sortenerhalter*innen und professionellen Anbietern aufbauen. Selektion von Sorten für Anbau und Züchtung durch Projektpartner «Realisation Schmid» in Scharans/GR.

Finanzierung durch Spendengelder sowie Unterstützung von Delinat und Bundesamt für Landwirtschaft im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen (NAP-PGREL).

Derzeit sind rund 80 Sorten auf mindestens einem Baum abgesichert. Dies muss noch verbessert werden: Zielgrösse = mindestens sechs Bäume pro Sorte. Auch die Beschreibung der Sorten braucht weiteres Engagement. Von den geplanten 40 sind erst 16 genügend beschrieben. Seit 2013 hat sich das Pfirsichkernangebot in unserem Sortenfinder mit durchschnittlich etwa 10 Sorten pro Jahr etabliert. «Realisation Schmid» prüft ausgewählte Sorten auf deren Anbaueignung.

Gertrud Burger
Bereichsleiterin Pflanzen, Mitglied der Geschäftsleitung
Telefon +41 61 545 99 26

Ein herzliches Dankeschön an unsere Projektsponsoren: