Setzlinge anziehen

Viele ProSpecieRara-Sorten sind als Setzlinge nur schwer aufzutreiben, Saatgut ist jedoch verfügbar. Beachtet man die Eigenheiten der verschiedenen Gemüsearten und hat man ein paar wenige Grundsätze verinnerlicht, können auch zuhause kräftige Setzlinge heranwachsen.

Zu Minitreibhäuser umfunktionierte Plastikboxen

Tomaten in Reih und Glied ausgesät

Die filigranen Tomatenpflänzli vorsichtig pikieren

Mit genügend Licht wachsen sie zu kräftigen Setzlingen heran.

Jede Art hat ihre Eigenheiten; Sie werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten gesät, brauchen unterschiedlich warm oder brauchen Licht oder eben gerade kein Licht zum Keimen. Deshalb befolgen Sie grundsätzlich die Anweisungen auf den jeweiligen Samenpackungen. Auch in unserem Sortenfinder finden Sie bei allen Kulturen Angaben zum Aussaat- und Erntezeitpunkt. Dennoch hängen diese Zeitpunkte auch mit Ihrer geografischen Lage zusammen. Einen guten Anhaltspunkt bietet der phänologische Kalender. Spriessbürger hat einen tollen zusammengestellt. Sie finden ihn hier

Für die Setzlingsanzucht brauchen Sie:

  • Saatgut
  • Aussaaterde
  • Anzuchtgefässe
  • evtl. Frühbeet oder Minitreibhaus (siehe weiter unten)

Anzuchterde, Substrat
Anzuchterde braucht es vor allem für feinsamiges Saatgut. Für grosse Samen, kann man normale Erde verwenden. Anzuchterde soll eine gute Wasserspeicherfähigkeit haben, keine Staunässe verursachen und Nährstoffe in ausgewogenem Verhältnis enthalten. Samen brauchen zum Keimen keinen Dünger! Die Nährstoffe die sie für den Keimprozess brauchen sind im Nährgewebe, den Keimblättern, gespeichert.

Im Handel gibt es fertig gemischte, sterile Aussaaterde zu kaufen. Man kann sich seine Aussaaterde aber auch selbst mischen:

1 Teil fein gesiebte Gartenerde (oder Maulwurfhügelerde)
1 Teil Sand
1 Teil fein gesiebter, gut ausgereifter Kompost.
Bei sehr saurem Boden noch etwas Kalk beifügen.

Es empfiehlt sich, diese Mischung bereits im Herbst herzustellen und einige Tage vor der Aussaat an die Wärme zu holen.

Anzuchtgefässe
Aussaatschalen sind in unterschiedlichen Grössen im Handel erhältlich. Zur Aussaat kann man aber auch verschiedene Verpackungsmaterialien verwenden: Spankistchen, Kunststoff-Obstschalen, Nüsslisalat-Schalen, Eierkartons (deren Lebensdauer ist jedoch beschränkt und sie trocknen relativ rasch aus, da die Flüssigkeit auch über die Wände verdunstet).

Aussäen
Füllen Sie nun Erde ich die Saatschale und drücken Sie diese mit der Hand oder einem flachen Stück Holz an. Danach die Erde mit feinem Strahl grosszügig giessen. Erst jetzt die Samen auf die Erde geben, leicht festdrücken und mit trockener Erde abdecken, andrücken und nicht mehr giessen (die Deckerde saugt sich selber voll). Die Deckschicht soll ca. 1.5 mal so dick sein wie die Samenkörner. Lichtkeimer (Salat, Sellerie, Kresse, Basilikum, die meisten Kräuter) nicht abdecken!

Bis zur Keimung ist es empfehlenswert, die Schalen mit einer Haube, einer Glasplatte oder Klarsichtfolie abzudecken um ein Austrocknen zu verhindern. Ein keimendes Samenkorn darf niemals austrocknen! Ein zu Beginn sehr gut gegossenes Anzuchtgefäss, das abgedeckt wird, braucht kaum mehr Wasser, bis die Keimlinge erscheinen.

Keimendes Samenkorn
Ausser bei den Lichtkeimern braucht das keimende Samenkorn kein Licht. Aber jede Kulturpflanze hat eine optimale Keimtemperatur und eine Mindestkeimtemperatur (siehe Tabelle). Unterhalb der Mindestkeimtemperatur keimen Samen nicht. Die Saatschalen können nahe bei einer Heizquelle aufgestellt werden, wenn dies die Mindestkeimtemperatur verlangt. Wenn sie stabil sind, können sie auch gestapelt werden. Stehen die Schalen so im Dunkeln oder Halbdunkeln müssen sie gut überwacht werden. Sobald die ersten Keimlinge sichtbar werden, müssen die Schalen sofort ans Licht! Während dem Keimen Gefäss täglich lüften, um Schimmelbildung zu verhindern!

Jungpflänzchen
Sobald die Keimlinge aufrecht stehen, muss das Verhältnis von Licht zu Wärme stimmen. Je wärmer es ist, desto mehr Licht brauchen sie. Stehen sie zu warm und dunkel (was im Haus drin praktisch immer der Fall ist), wachsen sie rasch in Richtung Licht, es entstehen lange, schwache, bleiche Pflanzen.
Stellen Sie die Pflanzen deshalb wenn immer möglich tagsüber nach draussen. Ein «Minitreibhaus» (das kann eine transparente Aufbewahrungsbox mit Deckel sein, siehe Bild) leistet hier wertvolle Dienste, da darin auch an kühlen aber sonnigen Tagen angenehme Temperaturen erreicht werden. Achtung: Bei Sonne wird es rasch sehr warm darin, dann muss der Deckel unbedingt einen Spalt weit geöffnet werden. Nachts gehören die Keimlinge ins Haus, aber auch dort am besten in einen nicht allzu stark geheizten Raum.
Die verschiedenen Arten haben unterschiedliche Temperaturansprüche (siehe Tabelle).

Pikieren
Die Jungpflanzen der meisten Gemüse werden pikiert, das heisst, wenn die ersten richtigen Blätter zu sehen sind, in einzelne Töpfli gepflanzt. Als Werkzeug dient ein Pikierstab oder auch ein Bleistift. Die Töpfli werden nun mit normaler (torffreier) Blumenerde gefüllt.

  • Die kleinen Pflänzchen sind sehr verletzlich! Vorsichtig und ohne Handschuhe arbeiten!
  • Man pikiert frühestens wenn sich die ersten richtigen Blätter zeigen, spätestens wenn die Pflänzchen beengt stehen.
  • Wurzeln der Pflänzchen um ca. 1/3 mit dem Fingernagel einkürzen. Das regt das Wurzelwachstum an.
  • Mit dem Pikierstab in die Pflanzerde ein Loch machen, dann das Pflänzchen so im Pflanzloch versenken, dass die Wurzeln nach unten schauen. Um Wachstumsverzögerungen zu vermeide, sollten die Wurzeln möglichst ihrem natürlichen Wuchs entsprechend eingepflanzt werden.
  • Wie hoch oder tief die Pflanzen pikiert werden hängt von der Kulturart ab: Salat, Fenchel oder Knollensellerie dürfen so hoch stehen dass sie fast umfallen. Pflanzen die am Stamm noch Wurzeln ausbilden können, werden tiefer gesetzt z.B. Paprika und Tomaten.
  • Schwache und kleine Pflanzen nicht pikieren, sie kommen auf den Kompost. Auslese auf starkwüchsige und kräftige Pflanzen.
  • Gurke, Melone, Kürbisse und Zucchetti werden nicht gerne pikiert! Direkt in Töpfchen säen!

Auch nach dem Pikieren gilt es, das richtige Licht-Wärme-Verhältnis zu beachten.

Übergang ins Freiland
Setzlinge, die hinter Glas (oder Plastik) gezogen worden sind, müssen langsam an die direkte Sonne gewöhnt werden, sonst verbrennen sie (analog unserem Sonnenbrand). Ist der Frühling weiter vorangeschritten und sind die Setzlinge bereit, um nach draussen gesetzt zu werden, passiert dies am besten an einem bewölkten Tag. Sind keine Wolken verfügbar, müssen die Pflänzli mit einem Vlies die ersten ein bis zwei Tage lang beschattet werden, bevor sie die pralle Sonne vertragen.

Direktsaat
Von den ganzen Wurzelgemüsearten wie Karotten, Pastinaken, Schwarzwurzeln etc. werden keine Setzlinge angezogen, diese werden direkt ins Beet gesät, deren Wurzeln überstehen ein Umpflanzen nur sehr schlecht.

Leguminosen, also Bohnen und Erbsen werden normalerweise ebenfalls direkt gesät, können aber z.B. bei hohem Schneckendruck auch vorgezogen und später ausgepflanzt werden.

Mehr erfahren in unseren Setzlingsanzuchtskursen
Theorie ist gut, Praxis besser; Jeweils im Februar/März bieten wir halbtägige Kurse zur Setzlingsanzucht an. Nach einer theoretischen Einführung legen Sie beim Pikieren selber Hand an. Die Daten finden Sie jeweils ab Ende Jahr in unserem Kalender.

Wo gibt's Saatgut von ProSpecieRara-Sorten?
Einerseits können Gönner*innen von ProSpecieRara direkt über das Erhalternetzwerk einige Portionen Saatgut kostenlos bestellen (jetzt Gönner*in werden). Welche Sorten auf diesem Weg erhältlich sind, sehen Sie im Sortenfinder. Dort sehen Sie zudem, welche Sorten bei welchem kommerziellen Anbieter erhältlich sind.