Rinder halten und züchten

Die Haltung des Schweizer Nationaltieres stellt einige Anforderungen an die Infrastruktur. Rinder nur als Hobby zu halten, ist deshalb eher selten .

Aufgrund der Grösse und der Kraft der Tiere und auch, weil die Rinderhaltung hohe Anforderungen an Stall und Infrastruktur stellt, sind Rinder in der reinen Hobbyhaltung kaum anzutreffen. Wer Rinder züchten will tut gut daran, sich bei eine*r erfahrenen Halter*in in die Grundlagen der Rinderhaltung einführen zu lassen. Denn Rinder stellen spezifische Ansprüche und erfordern eine entsprechende Ausbildung.

Rinder sind Herdentiere, der Kontakt mit Artgenossen ist deshalb wichtig. Die Tiere bilden innerhalb der Herde eine Rangordnung, weshalb Veränderungen im Bestand mit Unruhe und Stress verbunden sind. Neue Tiere müssen behutsam eingegliedert werden.

Mit einer ausreichenden Versorgung mit Trinkwasser (bei Stallhaltung permanent zugänglich, bei Weidehaltung mindestens zweimal täglich zugänglich) und Mineralsalzen, sowie mit Raufutter in guter Qualität legen Rinderhalter*innen die Basis für gesunde Tiere. Wie bei allen Nutztieren, sind zudem die Überwachung der Parasiten und die Klauenpflege wichtige Themen, wobei für Letzteres eine entsprechend robuste Infrastruktur von Vorteil ist. Raue Stallböden sorgen für gute Trittsicherheit und damit für ruhigere Tiere.

Rinder brauchen nebst einem passenden Stall genügend Weideland, wobei mit der Faustregel «1 Tier pro Hektare» (10'000 m2) für Sommerweiden und Winterfutter gerechnet werden kann. Dazu kommen ein befestigter Mistplatz, ausreichend Lagervolumen für Gülle und ein befestigter Laufhof. Um den Futterbedarf der Tiere zu decken, ist zudem ein ausreichend grosses Futterlager notwendig. Wer melken will, braucht die dafür nötigen Melk- und Kühlvorrichtungen.

Rindviehhaltende müssen mit ihrem Betrieb bei der Tierverkehrsdatenbank (TVD) registriert sein und sind verpflichtet, gegenüber den Behörden verschiedenste Daten zu melden. Mehr Informationen dazu erteilen die kommunalen und kantonalen Landwirtschaftsämter und www.agate.ch.

Zucht
Zuchttiere müssen körperlich gesund sein und rassetypische Merkmale aufweisen. Um bei letzterem sicher zu sein, sollten Sie nur mit rassereinen Tieren züchten, die in einem Zuchtbuch erfasst sind und einen Abstammungsausweis haben. Nur so kann auch die Inzucht berechnet werden.

Züchten Sie zudem nur mit gut genährten und entwurmten weiblichen Tieren, damit diese genügend körperliche Reserven haben für die Trächtigkeit.

Achten Sie bei der Wahl Ihrer Zuchttiere, dass genetisch wenig vertretene Individuen gefördert und Tiere mit einer höheren genetischen Präsenz zurückhaltend eingesetzt werden. Auf diese Weise helfen Sie mit, den Genpool der gesamten Population ausgewogen zu halten.

Weibliche Rinder werden mit ca. 8-10 monaten geschlechtsreif. Bei den Landrassen sollten sie jedoch, damit sie sich optimal entwickeln können, erst ab ca. 18 Monate gedeckt werden. Jungstiere werden mit ca. 7-9 Monaten geschlechtsreif. Hausrinder haben einen Zyklus von 21 Tagen und sind somit alle drei Wochen für ca. einen Tag fruchtbar. Die Brünstigkeit der Kühe zeigt sich oft im Bespringen anderer Kühe.

Das Decken der Tiere erfolgt entweder im Natursprung mit einem Stier oder über die künstliche Besamung. Hat es geklappt, tragen die Rinder im Durchschnitt 280 Tage.

Weitere Informationen

Wenn Sie mit Ihrer Tierhaltung und -zucht Teil des Erhaltungsnetzwerks werden wollen, dann werden Sie am besten Mitglied im entsprechenden Rasseverein. Dieser bietet unter anderem auch Hilfestellung bei Fragen rund um die Haltung und Zucht der Tiere und kennt die Besonderheiten der entsprechenden Rassen. Die Kontakte zu den ProSpecieRara-Rassenvereinen finden Sie bei den Rasseporträts.

Weiterführende Literatur

Empfehlenswerte Fachbücher zum Thema Rinderhaltung finden Sie in unserem Shop.


Wissen

«Feed no Food» – Nutzen wir das Gras!

 

Natursprung oder künstliche Besamung?

 

Landschaftspflege mit alten Landrassen

 

Inzucht

 

«Blutlinien»

 

Erhaltungszucht versus Leistungszucht

 

Generhaltung

 

Genetische Präsenz

 

Soll man alte, traditionelle Rassen enthornen? Nein.

 

Effektive Populationsgrösse