Schafe halten und züchten

Artgerecht gehalten sind Schafe angenehme Zeitgenossen, die ihren Besitzer*innen viel Freude bereiten.

Schafe sind Herdentiere und dürfen nicht einzeln gehalten werden. Als Faustregel für den Platzbedarf kann «10 Aren (1000 m2) pro Zuchttier» angenommen werden. Dies reicht für die Sommerweiden inkl. den Jungtieren und für das Heu für den Winter.

Als Infrastruktur ist ganzjährig ein trockener und zugfreier Stall oder ein auf drei Seiten geschlossener Unterstand obligatorisch. Auch nur temporär genutzte Weiden müssen mit Unterständen versehen werden. Für die Tierpflege (Schur, Klauen schneiden, Entwurmen, etc.) sind Gatter oder Stallabteile hilfreich. Als Zäune bieten sich massives Drahtgeflecht oder elektrisch betriebene Weidenetze und Litzenzäune an. Bei den elektrischen Zäunen ist es wichtig, dass diese immer straff gespannt sind, frei von Gras gehalten und mit starken Elektrogeräten betrieben werden. Nur so respektieren die Tiere den Zaun und Unfälle mit Nutz- und Wildtieren bleiben aus. Weidenetze (Flexinet) hängen oft durch. Sie werden auf diese Weise weniger wirksam, weil stromführende Teile des Netzes mit dem Boden in Berührung kommen. Sie sind darum aufrecht und gut gespannt zu montieren. Vor allem in den Ecken ist es wichtig, die Eckstäbe der Netze mit Schnur nach aussen zu spannen oder mit starken Eckpfosten zu fixieren. Wer Wildtieren wie Rehen helfen will, Weidenetze besser zu erkennen, durchwebt diese mit blauen Bändern oder Schnüren.

Genügsame Zeitgenossen
Landschafe sind genügsam und decken ihren Energiebedarf zum Grossteil mit Raufutter (Gras und Heu). Energiereicheres Zusatzfutter benötigen sie im Normalfall nicht. Für Lämmer aufziehende Muttertiere ist eine unterstützende Kraftfutterzugabe aber durchaus empfehlenswert. Kleine Zusatzgaben helfen zudem, das Vertrauen der Schafe zu gewinnen. Wer regelmässig Kraftfutter verabreicht, wird bald jedes Mal lauthals empfangen, wenn er zu seinen Schafen kommt. Wer das nicht mag oder lärmsensible Nachbarn hat, sollte sich gut überlegen, wie viel und häufig Kraftfutter auf dem Plan stehen soll. Neben sauberem Trinkwasser (bei Stallhaltung permanent zugänglich, bei Weidehaltung mindestens zweimal täglich zugänglich) sollen Mineralien in Form von speziellen Leckschalen oder -steinen immer zugänglich sein.

Regelmässiger Woll- und Klauenschnitt
Schafe müssen mindestens einmal jährlich geschoren werden. Die Schur erfolgt meist im Frühling. Schafe, die den Winter im Stall verbringen, erhalten idealerweise im Herbst einen zweiten Schnitt. Auch die Verarbeitung der Wolle kann einen Einfluss darauf haben, ob ein- oder zweimal geschoren wird. Regelmässige Pflege ist auch bei den Klauen angebracht. Das Schneideintervall liegt zwischen drei- und fünfmal pro Jahr und hängt von der Beschaffenheit des Untergrunds, auf dem sich die Klauen abnützen, der Ernährung sowie von den individuellen Veranlagungen der Tiere ab. Während das Klauenschneiden zur regelmässigen Arbeit der Schafhalter*innen gehört, werden die Schafe zur Schur meist in professionelle Hände gegeben.

Widder sollte man – auch als Jungtiere – nicht am Kopf streicheln oder kraulen, da dies mit dazu führen kann, dass erwachsene Tiere aggressiv werden können.

Anders als früher, als Schafe meistens weidend über grosse Flächen hinwegzogen, werden sie heute häufig immer auf den gleichen Weiden gehalten. Parasiten profitieren davon, da ihre Eier von den Schafen ausgeschieden und von anderen, grasenden Schafen wieder aufgenommen werden. Durchfall, Abmagerung, Husten und Wachstumsstillstand sind Anzeichen für Parasitenbefall. Schafhalter*innen wirken dem mit Wechselweiden entgegen, lassen die Parasitensituation über Kotproben untersuchen und entwurmen die gesamte Herde wenn angezeigt mit abwechselnden Wirkstoffen. Die Dosierungen sind unbedingt einzuhalten, da zu geringe Dosierungen die Bildung von Resistenzen zur Folge haben können.

Schafhaltende müssen mit ihrem Betrieb bei der Tierverkehrsdatenbank (TVD) registriert sein und sind verpflichtet, gegenüber den Behörden verschiedenste Daten zu melden. Ab 1.1.2020 sind alle Tierbewegungen der Tierverkehrsdatenbank zu melden. Mehr Informationen dazu erteilen die kommunalen und kantonalen Landwirtschaftsämter und www.agate.ch.

Wer mehr als 10 Schafe halten möchte und über keine landwirtschaftliche Ausbildung verfügt, ist verpflichtet, den entsprechenden Sachkundenachweiskurs (SKN) zu absolvieren.

Zucht
Zuchttiere müssen körperlich gesund sein und rassetypische Merkmale aufweisen. Um bei letzterem sicher zu sein, sollten Sie nur mit rassereinen Tieren züchten, die in einem Zuchtbuch erfasst sind und einen Abstammungsausweis haben. Nur so kann auch die Inzucht berechnet werden.

Züchten Sie zudem nur mit gut genährten und entwurmten weiblichen Tieren (Auen), damit diese genügend fit sind für die Trächtigkeit. Denn in der letzten Phase der Trächtigkeit benötigt das heranwachsende Lamm mehr Energie, als das Muttertier über die Nahrung aufnehmen kann.

Achten Sie bei der Wahl Ihrer Zuchttiere darauf, dass genetisch wenig vertretene Individuen gefördert und Tiere mit einer höheren genetischen Präsenz zurückhaltend eingesetzt werden. Auf diese Weise helfen Sie mit, den Genpool der gesamten Population breit zu halten.

Die ProSpecieRara-Landschafrassen sind asaisonal, das bedeutet, dass die Auen das ganze Jahr hindurch trächtig werden können. Auen sind alle 17 Tage für zwei Tage fruchtbar und die Trächtigkeit dauert 5 Monate. Weil die Muttertiere mit gehaltvollem Grasfutter und milder Witterung gute Milchlieferantinnen sind, starten die Lämmer, die im Frühling geboren werden, wenn die Tiere wieder saftige Weiden haben, optimal ins Leben. Wer seine Tiere im Spätherbst und Anfang Winter deckt, macht darum sicher nichts falsch.  

Zwillinge sind keine Seltenheit, Würfe mit drei oder gar vier Lämmern sind seltener und werden oft als «Glück im Stall» bezeichnet, sind jedoch bei den alten Landrassen mehr Herausforderung für Aue und Halter*in, als Glück, denn die Milchproduktion der Mutter reicht bei so vielen Lämmern oft nur knapp, weshalb es angebracht sein kann, zusätzlich Lämmermilch (als Pulver beziehbar) anzubieten. Kommen die Lämmer auf der Weide zur Welt, ist sicherzustellen, dass vor allem über Nacht die frischen, noch etwas wackelig auf den Beinen stehenden Lämmer vor Raubtieren wie Füchsen geschützt sind. Dies ist bei kleinen Rassen wie den Skudden umso wichtiger. Oft werden Auen, zum Werfen in eigene Stallabteile gebracht, was dem natürlichen Verhalten der Muttertiere, sich zum Gebären von der Herde abzusetzen, entgegenkommt und die Betreuung und Überwachung der Tiere erleichtert.

Für den perfekten Start ins Leben produziert die Aue für ihren Nachwuchs als erstes die sogenannte Kolostralmilch. Erhalten die Lämmer diese Milch in den ersten Stunden ihres Lebens nicht, entwickeln sie sich in den ersten Tagen oft nicht optimal. Aufmerksame Züchter*innen beobachten in dieser heiklen Phase ihre Tiere und stellen sicher, dass z.B. abgewiesene Lämmer einen Schluck dieser wertvollen Milch erhalten. Lässt das Muttertier ein Lamm nicht ans Euter, kann man die Aue fixieren und das Lamm an die Zitze führen. Kolostralmilch kann auch eingefroren werden, um in solchen Fällen aufgetaut, temperiert und z.B. mit einer Spritze ins Maul des Lammes verabreicht werden.

Laktierende (milchgebende) Muttertiere müssen jederzeit Zugang zu frischem Wasser haben, da die Laktation ihrem Körper sehr viel Flüssigkeit abverlangt.

Je nach Gehalt im Boden, empfiehlt es sich, den Lämmern in den ersten 24 Stunden eine Gabe Selen zu verabreichen (Schutz vor Weissmuskelkrankheit). Lämmer müssen ab der dritten Alterswoche Zugang zu Raufutter haben.  

Lämmer sind von Gesetzes wegen von den Tierhalter*innen mit offiziellen TVD-Ohrmarken zu markieren und ab 1.1.2020 der TVD zu melden (bis dahin dem Zuchtbuch des Vereins). Wenige Tage alte Lämmer mit Ohrmarken zu versehen ist sicher keine tolle Sache, es ist jedoch unumgänglich, um die Übersicht über die Abstammung zu behalten. Die durch die Ohrmarken verursachten Löcher in den Ohren heilen bei jungen Lämmern meist reibungslos.

Weitere Informationen

Wenn Sie mit Ihrer Tierhaltung und -zucht Teil des Erhaltungsnetzwerks werden wollen, dann werden Sie am besten Mitglied im entsprechenden Rasseverein. Dieser bietet unter anderem auch Hilfestellung bei Fragen rund um die Haltung und Zucht der Tiere und kennt die Besonderheiten der entsprechenden Rassen. Die Kontakte zu den ProSpecieRara-Rassenvereinen finden Sie bei den Rasseporträts.

Weiterführende Literatur

Empfehlenswerte Fachbücher zum Thema Schafhaltung finden Sie in unserem Shop.


Wissen

«Feed no Food» – Nutzen wir das Gras!

 

Landschaftspflege mit alten Landrassen

 

Inzucht

 

Meldewesen und Registrierung von Nutztieren

 

«Blutlinien»

 

Erhaltungszucht versus Leistungszucht

 

Generhaltung

 

Genetische Präsenz

 

Effektive Populationsgrösse