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Apfel nicht gleich Apfel
Letzte Woche erschien im Schweiz Aktuell einen Beitrag zu den Herausforderungen im modernen Tafelapfelanbau, zum Nutzen von modernen und alten Apfelsorten und zu einem Freisetzungsversuch von gentechnologisch veränderten Apfelbäumen. Dazu ein paar weiterführende Infos.
Den Beitrag der Sendung Schweiz aktuell vom 10. Mai finden Sie hier

Gemäss dem schweizerischen Obstsorteninventar gibt es in der Schweiz noch etwa 1000 Apfelsorten, der Grossteil davon ist nur noch auf wenigen Bäumen in Erhaltungssammlungen abgesichert. Vor diesem Hintergrund kann man sich fragen, ob es denn eine Apfelzüchtung braucht. Sind doch gewiss attraktive und robuste Sorten in diesem riesigen Genreservoir ausfindig zu machen.

1. Robuste seltene Tafelapfelsorten sind kein Standardprodukt
Es gibt sie, die seltenen, alten Tafelapfelsorten, die auch noch attraktiv und robust sind. Sensorisch und ästhetisch sind sie ungleich vielseitiger als die modernen Sorten. Den Kunden erwartet also kein Standardprodukt. Die Sorten finden ihr Ziel beim sensorisch anspruchsvolleren Publikum, aber auch bei Menschen, welche die Bedeutung des Erhalts der genetischen und kulturhistorisch gewachsenen Vielfalt sehen, sich daran freuen und durch Kauf unterstützen. Eine Beispiel einer solchen robusten und seltenen Tafelapfelsorte ist der 'Eierlederapfel'.

2. Tafelapfel-Produktion von alten seltene Sorten auf Hoch- und Niederstamm

ProSpecieRara baut seit über 10 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau die Produktion von seltenen Tafelapfelsorten auf. Wichtiger Projekt- und Vermarktungspartner dabei ist Coop. Die ProSpecieRara-Tafelapfelproduktion nutzt nicht nur die traditionellen, für Biodiversität und Landschaft wertvollen Hochstammbäume, sondern stützt sich auch auf die intensive Niederstammproduktion. Während eine Hochstammanlage erst nach 15 Jahren richtig ertragreich wird, kann in einer Niederstammanlage schon nach vier bis fünf Jahren mit Vollertrag gerechnet werden. So vereinen wir die Vorteile beider Produktionsformen. Mehr dazu

3. Feuerbrand ist eine von vielen Krankheiten
Der Apfelanbau wird nicht nur durch den im Beitrag erwähnten Feuerbrand bedrängt, sondern auch durch viele andere Krankheiten oder Schädlingen wie Mehltau, Schorf, Spinnmilben, Krebs oder neu Marssonina-Blattfallkrankheit. Eine Sorte, welche die heutige sensorische, produktions- und lagertechnische Standardqualität aufweist und erst noch robust ist gegen all die erwähnten Krankheiten, ist eher Wunschdenken. Auch ist damit zu rechnen, dass wegen der globalen Vernetzung immer wieder neue Krankheiten eingeschleppt werden, die unsere Apfelkulturen bedrohen können.

4. Auslese oder Züchtung ist notwendig
Globalisierung oder Klimawandel verändern die Produktionsbedingungen. Stetig müssen demnach besser angepasste Apfelsorten erforscht und gezüchtet werden. Die Züchtungsarbeit birgt die Gefahr, über Generationen nur noch mit den „bewährten Genen“ zu arbeiten und damit die genetische Breite gefährlich zu verengen. Dies geschah so über lange Jahre mit dem wiederholten Einsatz von ‚Golden Delicious’ als Zuchteltersorte. Seit neuerer Zeit wird vermehrt das Potenzial der überlieferten Apfelsortenvielfalt in die Züchtung mit einbezogen. Diesbezüglich sei auf Projekte im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung der pflanzengenetischen Ressourcen in Ernährung und Landwirtschaft des Bundesamtes für Landwirtschaft verwiesen.

5. Die züchterische Weiterbearbeitung der Sorte 'Gala' ist schwer verständlich

Die im Beitrag angesprochene Züchtung findet mit der Sorten 'Gala' statt. Diese Sorte nimmt mit 845 ha die grösste Apfelproduktionsfläche in der Schweiz ein. Dies entspricht 22% der Apfel-Gesamtproduktionsfläche. 'Gala' hat 'Golden Delicious' (14% der Apfel-Gesamtproduktionsfläche) vor einigen Jahren auf den zweiten Platz verdrängt. 'Gala' ist demnach eine bedeutende Sorte, sie ist aber stark anfällig auf Schorf, Krebs, Marssonina, mittelanfällig auf Mehltau. Und die Sorte ist stark feuerbrandanfällig, weshalb diese negative Eigenschaft mithilfe umstrittener Züchtungstechnik überwunden werden soll. Es ist schwer nachzuvollziehen, weshalb dies bei einer Sorte wie 'Gala' geschieht, welche noch auf einige andere Krankheiten anfällig ist und somit sowieso einen hohen Pflanzenschutzmittel beim Anbau benötigt. Eine kritische Diskussion zu gentechnologischen Züchtungsverfahren und zum bewilligten Freisetzungsversuch mit cis-genen Apfelbäumen finden Sie hier


18. Mai 2016, © ProSpecieRara